next07: Ein paar Anmerkungen zur Keynote
03.Mai.2007 | 15:04 Und Herr Michael hatte so einiges zu sagen zu Web 2.0. Hier eine vollkommen subjektive Auswahl seiner Thesen und meiner Gedanken dazu (Achtung: keine wörtlichen, sondern eher sinngemäße Zitate):
1. "Die Konsumenten wissen nicht, was sie wollen. Deshalb haben sie in der Vergangenheit immer jemanden gebraucht, der es ihnen sagt. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. "Eine Frage hat Herr Michael aber leider offen gelassen. Oder ich hab leider die Antwort verpasst: Was versteht er denn nun eigentlich genau unter "Brand Wikization" ?Mag sein. Die Frage ist doch aber, ob die Konsumenten auch weiterhin von Tilly aus der Fernsehwerbung erfahren, welches Spülmittel sie brauchen!? Oder erfahren sie das, in Zukunft nicht vielleicht eher aus anderen, neuen Kanälen?
2. "Blogs sind nichts anderes als Gespräche am Stammtisch. Die gabs schon immer. Wieso ist das neu?"Vielleicht deshalb, weil der Redner am Stammtisch nicht global gehört wird, mit seiner Meinung keine Google-Bombs auslöst oder bei Spiegel Online, Heise und Co. landet ?
3. "In den Zeiten der New Economy wurde ich oft gefragt, welche Bedeutung Internet-Marken haben werden. Ich hab damals immer gesagt, dass es keine Internet-Marken geben wird. Man braucht sie auch nicht. Es reicht völlig, wenn die etablierten Marken vernünftig das Internet nutzen. Und was ist heute? Die wichtigsten Marken im Internet sind die alten Marken, die wir schon immer kannten."Stimmt - abgesehen natürlich von Amazon, Ebay, Yahoo, Youtube usw. usf. Ach ja, und was ist dieses Jahr nochmal "the most valuable brand worldwide" ?
4. "Pareto & Long Tail in allen Ehren, aber Nischen müssen sich rechnen. Wenn ich ein Produkt habe, was sich nur ein oder zweimal verkauft, wie soll damit jemand Geld verdienen?"Eine Antwort könnte Herr Michael hier finden. Oder etwas ausführlicher hier. Aber man könnte auch einfach sagen, dass die Antwort darauf die Idee des Long Tails selbst gibt.
Nachtrag - Holm Friebe ist da auch noch etwas aufgefallen:
Sein Nachredner Bernd M. Michael beklagt lauthals, dass die Beratungsbranche immer neue Buzzwords wie "Web 2.0" ausspuckt, und begegnet dem Missstand, indem er mit "Brand-Wikization" das ultimative letzte, sperrige Nachklapp-Buzzword in die Welt zu stemmen versucht.


Reader Comments (11)
und ich dachte schon mit WIKINOMICS wäre extrem-ZweiNullBuzwording erledigt...
[...] Zur Keynote von Bernd M. Michael haben Björn Ognibeni und Dieter Rappold inhaltlich schon einiges geschrieben. Und ehrlich gesagt kann ich mich da wirklich der Meinung des Sierralogs anschließen. Was Herr Michael da zum Besten gab, war haarsträubend. Bei mir kam neben den inhaltlichen Schwächen seines Vortrags noch hinzu, dass ich die Struktur des ganzen überhaupt nicht wirklich nachvollziehen konnte. Aber eines muss man ihm lassen: betrachtet man einfach mal nur die Art des Vortrags, hätte sich der ein oder andere Vortragende gerne eine Scheibe abschneiden können. Aber führen wir das einfach mal auf die Erfahrung zurück. [...]
Der Fairness halber muss man zu Punkt 3.) sagen:
Herr Michael hat reine eBrands wie Google etc. ("Marken mit neuen Geschäftsmodellen") eindeutig davon ausgeschlossen. Ich glaube, er bezog das auf künstliche neue Onlineableger von "alten" Marken.
Hat er das? Ich hab ihn nicht so verstanden und alle, die gestern um mich herum sassen auch nicht. Ganz so eindeutig kann es also nicht gewesen sein. Aber warten wir mal den Videobeweis ab... wird ja zum Glück alles gefilmt heutzutage und vielleicht habe ich mich ja wirklich verhört... ich kann es mir aber eigentlich nicht vorstellen...
"Mich hat es heute auf die Next07 verschlagen - wie ich finde, neben dem DLD, die einzige wirklich interessante Veranstaltung zum Thema Web 2.0 hierzulande. "
naja, auf der dld war n bisschen mehr los und das programm breiter angesetzt, denn web2.0 is zwar ne sache die im netz statt findet, die aber doch auch einen gesellschaftlichen trend widerspiegelt...man hätte das ganze doch breiter aufziehen können....
und ich schätze du wrats nicht auf der re.publica...
[...] Eineinhalb Keynotes, die auch schwankend waren, angehört. [...]
Ich hab mich ja bislang nie so wirklich mit deutschen Konferenzen beschäftigt und daher auch nicht wirklich mit der next07.
Aber was ist der Sinn dieser Konferenz (die ja aufgrund des Namens wohl visionäre Dinge vorstellen will), wenn man Personen die Keynote machen lässt, die entweder New Marketing nicht verstehen oder vielleicht auch einfach nicht verstehen wollen, da sie ihr eigenes Geschäftsmodell bedrohen?
(was ja hier der Fall zu sein scheint).
Und was ist die Zielgruppe dieser Konferenz?
[...] Bjoern Ognibeni [...]
Ehrlichgesagt beurteile ich die Qualität solcher Veranstaltungen nur zum Teil nach den Vorträgen. Wichtiger ist für mich, ob man dort interessante Leute trifft und das war bei DLD & next07 der Fall.
Bei der re-publica natürlich auch. Ich hatte sie nur deshalb nicht genannt, weil ich sie nicht unbedingt in die Web 2.0 Schublade stecken würde. Falls sie da aber reingehören sollte, dann gibt es drei "wirklich interessante Veranstaltung zum Thema Web 2.0 hierzulande" !! ;-)
Ok, zugegebenermassen ist das auch für mich meist das wichtigste bei jeglichen Konferenzen.
Allerdings frage ich mich halt doch, warum man zu einer Web2.0-Konferenz dann jemanden einlädt, der das Visionäre doch ein bisschen fehlen lässt.
Wie auch immer, hatte leider ja eh keine Zeit und werd mir dann mal die Videos anschaun, wenn sie denn kommen.
[...] Okay, die Keynotes der next07 haben mich nicht so vom Hocker gehauen. Aber einige der anderen Vorträge waren dafür um so besser. Inzwischen sind sie komplett bei Sevenload verfügbar. Ganz praktisch, denn auf solchen Veranstaltung ist es ja eigentlich viel spannender, sich mit den Leute vor Ort zu unterhalten, statt ständig in abgedunkelten Räumen passiv zuzuhören. [...]