China und der Westen  -  eine Geschichte asymmetrischer Ignoranz.

(erschienen als Chinabriefs Kolumne bei FOCUS Online / DLDaily am 20.08.2019)

Wer Digitalunternehmen in China besucht, dem werden schnell zwei Dinge klar: erstens sind viele dieser Firmen uns im Westen weit voraus und zweitens ist kaum jemandem hier das so richtig bewusst. Wir sehen China nach wie vor als aufstrebendes Entwicklungsland, das irgendwo zwischen Werkbank und Kopiermaschine steckt. Wer “wirklich Geld” verdienen will, muss immer noch zu uns kommen — in die sogenannten Kernmärkte, wie USA oder EU.

Wie überholt diese Ansicht inzwischen ist, kann man mit einer Zahl belegen: 27,7 Mrd Euro (bzw. 213.5 Mrd. RMB¥). Soviel Umsatz hat der weltweit größte E-Commerce-Konzern an einem einzigen Tag gemacht. Nein, nicht Amazon am Black Friday, sondern Alibaba am 11.11., dem Singles Day — dem wichtigsten Shopping-Tag Chinas. An diesem einen Tag machte Alibaba so viel Umsatz wie alle US-Onlinehändler im Vorweihnachtsgeschäft zusammen.

Daniel Zhang, CEO der Alibaba Group am 11.11.2018 (Foto:    Alibaba   )

Daniel Zhang, CEO der Alibaba Group am 11.11.2018 (Foto: Alibaba)

Chinesische Unternehmen sind längst dort aktiv, wo man “wirklich Geld” verdienen kann — nämlich in ihrem Heimatmarkt. Eine Tatsache, die uns aber immer noch zu wenig bewusst ist. Das Interessante dabei: diese Unkenntnis ist weitgehend einseitig.

Denn während wir praktisch nichts von China wissen, studiert man dort den Westen sehr genau. Das aber nicht nur in Unternehmen, sondern auf allen Ebenen der Gesellschaft: von Partei, über Lokalregierungen und Firmen bis zu vielen einzelnen Bürgern. Alle haben dabei das gleiche Ziel: lernen — und stehen damit im krassen Gegensatz zu der Ignoranz und dem allgemeinen Desinteresse, welches hierzulande das Denken oft beherrscht.

Die daraus resultierende asymmetrische Unwissenheit wird durch die Sprachbarriere noch verstärkt: Wo hier im Westen etwa Forschungsergebnisse zum Thema Künstliche Intelligenz meist in Sprachen publiziert werden, die auch viele Chinesen lesen können, kann kaum ein westlicher Experte ähnliche Veröffentlichungen in chinesischer Sprache verstehen. Deshalb wissen wir oft nicht mal, was wir nicht wissen!

Das Problem geht aber weit über Wirtschaftsthemen hinaus und ist sehr viel grundsätzlicher, wie mir selbst gerade erst auf meiner letzten China-Reise wieder bewusst wurde.

Vor gut zwei Wochen war ich in Chengdu — einer über 2.000 Jahre alten Stadt im Westen Chinas. Hier fand Ende Juli im Rahmen des World Cities Culture Forums (WCCF) und ausgerichtet von der Stadtverwaltung von Chengdu das 2. Tianfu Symposium statt. Unter dem Titel “Harnessing the power of culture in building world city identity” sprachen zwei Tage rund 400 Experten aus aller Welt sprachen über Stadtentwicklung, Kultur und Innovation.

Zum Rahmenprogramm gehörte auch ein Besuch von Eastern Suburb Memory, einem ehemaligen Radio- & Fernsehwerk aus den 50´er Jahren, das inzwischen zu einem Kulturpark umgebaut wurde — mit Bars und Restaurants, sowie einer ganzen Reihe von Gebäuden für Konzerte und temporäre Ausstellungen.

Bis Ende Oktober kann man sich dort zum Beispiel “GameOn” anschauen: eine Computerspiel-Ausstellung, die von Pong über C64 und Playstation 1,2,3 und 4 bis hin zu aktuellen DJI Drohnen, die Entwicklung der Branche über die Jahre erlebbar macht.

Ein Haus weiter befindet sich eine Kunst-Ausstellung, zur Zeit mit Werken von Leonardo da Vinci: Gemälde — Manuskripte — Erfindungen. Auch diese ist modern und sehr interaktiv angelegt. So kann man sich zum Beispiel mit Hilfe von VR-Brillen in Leonardos Werkstatt umsehen und einzelne Erfindungen im virtuellen Raum direkt ausprobieren.

Die Ausstellung war nicht nur gut gemacht, sondern auch gut besucht: selbst am Ende eines normalen Arbeitstages waren viele junge Leute und Familien mit Kindern dort, für die es ganz normal zu sein schien, sich abends vor ein paar Drinks oder nach dem Abendessen westliche Kunst anzuschauen.

Meine chinesische Begleiterin hatte die Ausstellung vorher noch nicht besucht, war aber trotzdem mit den Arbeiten Leonardos recht vertraut, was ich bemerkte, als wir über das Abendmahl sprachen. Sie hatte auch das Buch “DaVinci Code / Sakrileg” von Dan Brown gelesen, in dem das Gemälde eine zentrale Rolle spielt. In China ist es offensichtlich für viele selbstverständlich, ein breites Wissen über westliche Kultur zu besitzen: Von den Künstlern der Renaissance über Dan Brown bis hin zu Computerspielen.

Neben Leonardo da Vinci konnte man sich auch eine Reihe von Werken chinesischer Künstler ansehen — u.a. von Zhang Daqian, einem der renommiertesten chinesischen Maler des 20. Jahrhunderts und während wir uns darüber unterhielten, wurde mir plötzlich etwas bewusst: Chengdu ist über 2.000 Jahre alt, China selbst hat eine bis zu 5.000 Jahre alte Geschichte. Eine lange Zeit, in der viele Künstler sehr viel Kunst erschaffen konnten und einige davon vielleicht durchaus auf dem Niveau von Leonardo da Vinci — allerdings: ich selbst kenne nichts davon! Ich kenne keinen einzigen historischen chinesischen Künstler. Und ich vermute, Ihnen als Leser dieses Textes geht es gerade ganz ähnlich, oder?

Während viele Chinesen sehr viel über die westliche Kultur der letzten 500 Jahre wissen, haben wir von 5.000 Jahren chinesischer Geschichte keine Ahnung. Vielen von uns ist vermutlich noch nicht einmal bewusst, wie alt die chinesische Kultur wirklich ist und dass China gemeinsam mit Indien immer die führende (Wirtschafts-) Macht auf dem Globus war — von den letzten 200 Jahren einmal abgesehen:

Dieser Führungsrolle war man sich in China vor 200 Jahren durchaus bewusst, als die ersten Europäer vor der heimischen Küste auftauchten. Im sicheren Gefühl der eigenen Überlegenheit schickte man sie deshalb gleich wieder nach Hause. Was sollten die Fremden schon haben, was man selbst nicht schon längst hatte? Denn dort gab es viele Dinge teilweise tausende Jahre früher als in Europa, darunter die 4 großen Erfindungen des alten China: das Papier, die Druckkunst, der Magnetkompass und das Schwarzpulver— nur hatten wir halt Gewehre erfunden…

Jedes Schulkind in China weiss heute wie die Geschichte ausging und kennt die Folge der damaligen Ignoranz: einen plötzliche Absturz in die Bedeutungslosigkeit, weil man sich auf eine vermeintliche Überlegenheit verlassen hatte und zu wenig wusste, was um einen herum in der Welt passierte. 

Heute spürt man in China, dass alle extrem bemüht sind diesen Fehler nicht noch einmal zu machen und dies ist sicher ein Grund dafür, wieso sich so viele Chinesen auch ganz persönlich dafür interessieren, was im Ausland passiert — auf allen Ebenen: kulturell genauso wie technisch und wirtschaftlich.

Wir auf der anderen Seite müssen aufpassen den historischen Fehler der Chinesen nicht selbst zu wiederholen, sollten die eigene (ebenfalls oft nur gefühlte) Überlegenheit ablegen und anfangen, ebenfalls zu lernen — sicher nicht kritiklos, aber unvoreingenommen…

Digital Trends in China, die die Welt 2019 im Blick haben muss!

(erschienen als Chinabriefs Kolumne bei FOCUS Online / DLDaily am 17.7.2019)

Es sind Fragen, die auch über China hinaus bedeutend sind: Wer prägtdie chinesische Tech-Branche in diesem Jahr? Welche Trends bestimmen das dortige Internet? Antworten darauf finden sich im jährlich erscheinenden China Internet Report, den die“SouthChina Morning Post”(SCMP)und deren Online-Ableger“AbacusNews” gerade aktuell veröffentlicht haben.

Die SCMP hat ihren Sitz in Hong Kong, gehört der Alibaba Groupund gilt als relativ unabhängig von politischen Einflüssen. Die Autoren des Reports sehen für das laufende Jahr vor allem vierThemen, die auch aus deutscher und europäischer Perspektive wichtig sind.

1. Chinas ‘Copycat’ Industrie wird jetzt selbst kopiert.

Während westliche Internet-Giganten wie Facebook, Amazon und Google ihren Markt beinahe wie Monopolisten beherrschen und dadurch zunehmend andere Sorgen haben, als neue Ideen zu realisieren, herrscht in China nach wie vor starker Wettbewerb. In der Folge sind chinesische Firmen gezwungen,ständig neue Ansätze und Ideen auszuprobieren — Ideen, die inzwischen auch im Westen auf Interesse stoßen: zum Beispiel hätte Facebook ebenfalls gern eine Super-App wie WeChat. Die Möglichkeit, aus Inhalten auf sozialen Medien heraus schnell und einfach etwas kaufen zu können,in China schon lange Standard, würde auch hier an vielen Stellen Sinn machen. Und plötzlichtauchen bei unsüberall extrakurze Videos auf — die bisher vor allem den chinesischen Dienst TikTok groß gemacht haben.

Dies sind nur drei Beispiele fürStrategien, die in China erfolgreich sind und bei denen es sich lohnen könnte, sie auch im Westen auszuprobieren. Dabei könnten allerdings die oftlangfristig gedachten chinesischen Konzepte schnell mit der eher rein auf Umsatzwachstum ausgerichtetenDenke westlicher Unternehmen kollidieren.WeChat macht zum Beispiel den größtenTeil seines Umsatzes mit Services, die sie für ihre User erbringen, welche damit auch klar die Kunden von WeChat sind — mit entsprechenden Anforderungen an Kundendialog und-service.Bei Facebook ist dies anders: hier wird das Geld allein mit Werbung verdient. DieUsersinddabei vor allem Mittel zum Zweck, um Umsatz zu generieren. Es ist fraglich, ob man mit diesem Ansatz ein Geschäftsmodell, wie das von WeChat kopieren kann.

Fazit: Früher haben chinesische Firmen Ideen aus dem Westen kopiert, heute ist es immer häufigerandersrum. Wer dabeierfolgreich sein will, muss sich nicht nur auf neue chinesische Konzepte, sondern auch auf die dazugehörigen Denkweisen und Geschäftsmodelle einlassen.

2. China baut Vorsprung beim 5G Mobilfunk massiv aus.

5G in Deutschland und China — das sind zwei verschiedene Welten.Hierzulande müssen Mobilfunkunternehmennach der Auktion der 5G Frequenzen 6 Mrd Euro an den Staat zahlen — ein Betrag, der einerseits für die nun nötigen Investitionen fehlt. Andererseits sorgt dies aber vermutlich dafür, dass die Regulierung eher unternehmes- statt kundenfreundlich ausfällt und wir bei 5G eine ähnliche Situation, wie schon heute bei 3G erleben werden: eine Kombination aus hohen Preisen und schlechter Versorgung. Denn ein Staat der erstmal abkassiert, kann nicht im nächsten Schritt schnelle Einführung, niedrige Preise oder guten Service vorschreiben.

Ganz anders in China, wo man vom Start weg eine ganz andere Dynamik sieht. Dort wurden die ersten kommerziellen Lizenzen für 5G im Juni erteilt. Bis Ende des Jahres sollen die bereits 200.000 5G Basisstationen online sein. Ziel ist es,in rund einem Dutzend Metropolregionen so schnell wie möglich 5G Pilotprojekte zu starten — Anzahl der Personen, die potenziell 5G in diesen Regionen dann testen können? 167 Millionen!

Möglich wird dies nicht zuletzt dadurch, dass der Staat den 5G-Ausbauauch finanziell fördert. In der Folge wird man dort sehr früh wertvolles Know How sammeln können, was den Vorsprung von Unternehmen wie Huawei nochmal deutlich vergrößerndürfte.

Fazit: Während der Staat hierzulande mit 5G erstmal Kasse macht, treibt die chinesische Regierung den Ausbau aktiv voran und sorgt dafür, dass sich der technische Vorsprung noch weiter vergrößert.

3. China setzt bei KI neue Maßstäbe.

Auch im Bereich Künstliche Intelligenz(KI)besitzt China einen erheblichen Vorsprung. Ein Grund dafür ist die schiere Masse an Daten, die chinesischen Unternehmen zur Verfügung steht.

Diese resultiert erstens daraus, dass aufgrund der Größe der Bevölkerung viele Dienste einfach sehr viel öfter und von mehr Menschen genutzt werden. Zweitens stellt auch der Staat oft große Datenmengen zur Verfügung — meistens nicht ganz uneigennützig, weil staatliche Stellen die sich daraus ergebenden Möglichkeiten selbst nutzen wollen. Drittens denken viele chinesische Firmen auch häufig weiter voraus, gehen das Sammeln von Daten strategischer an und finden so teilweise überraschende Nutzungsmöglichkeiten.

Im chinesischen Alltag lässt sich der Fortschritt beobachten:

  • Gesichtserkennung öffnet Türen in Hotels, sorgt dafür, dass man zum Flugzeug findet(Videounten.) und ersetzt(nochtestweise) die Boardingkarte beim Einstieg.

  • Das E-Commerce Unternehmen Alibaba nutzt die Verkehrsdaten aus Tausenden von Auslieferungsfahrzeugen in Verbindung mit KI, um damit lokale Stadtregierungen die Routen von Krankenwagen besser planen zu lassen. Am Hauptsitz von Alibaba in Hangzhou konnte so die Anfahrtszeit zu Unfällen im Schnitt um die Hälfte verkürzt werden.

  • Besonders intensiv wird KI allerdings auchfür die staatlichen Überwachung genutzt — in Verbindung mit der großen Anzahl von Kameras,die weite Bereiche des täglichen Lebens permanent im Blick haben. Eine bedrückende Vorstellung für uns im Westen, die aber durchaus auch Erfolge hat:so nutzt man dieses System auch, um lange verschwundene Kinder per Gesichtserkennung wiederzufinden, in dem man das heutige Aussehen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz errechnet.

FAZIT: KI steht in einem gewaltigen Spannungsfeld. Wie praktisch jede Innovation bringt auch sie sowohl Vor-als auch Nachteile. Doch wo wir uns oft und nicht ohne Grund auf die Nachteile fokussieren, sehen Chinesen vor allem die Vorteile. Welcher Ansatz hier sinnvoller und weniger naiv ist, kann man heute sicherlich noch nicht final entscheiden.

4. Der Social Score wird langsam Realität

Im Westen glauben viele es gäbe in China bereits heute ein all-umfassendes Social Scoring-System, mit dem der Staat jeden Bürger direkt steuern kann. Doch die Realität sieht etwas anders aus.

Den Anfang machte ein Regierungsdokument aus dem Jahr 2014, das den Aufbau eines Systems vorschlägt, welches für jedes Unternehmen und jeden Bürger gutes wie schlechtes soziales Verhalten mit Punkten bewertet, um so einen persönlichen Social Score zu ermitteln.

Offizielles Ziel: Denvertrauensvollen Umgang innerhalb der Gesellschaft stärken.Wo auch kleineres Fehlverhalten unterhalb der Strafbarkeit geahndet wird, habenin der chinesischen Logikalle einen Grund,sich vertrauenswürdig zu verhalten. Wer die chinesische Geschichte, Gesellschaft und das dortige Denken kennt, weiß, dass dieser Ansatz dort durchaus Anhänger findet.

Wir dagegen sehen auch hier eher die Gefahren, denn in derPraxis kann einautoritäres Regierungssystem ein solches System natürlich mißbrauchen, um die eigene Macht zu festigen und Kritiker kalt zu stellen. Fraglich ist auch, ob Parteikaderin gleicher Weise wie einfache Bürgern bewertet werden.

Doch bis dahin wird es noch etwas dauern. Denn aktuell gibt es nur Vorläufer zu einem solchen nationalen System:

  • Schwarze Listen,auf denen man landet, wenn man etwa Gerichtsbeschlüsse ignoriert oder seine Schulden nicht zahlt. Wer auf so einer Liste steht, kann zum Beispiel keine Ticket für Flüge oder schnelle Züge kaufen. Dieses System gibt es schon länger und hat mit dem Thema“SocialScore” eigentlich wenig zu tun.

  • Private Scoring Systeme, wie der Sesame Score von Ant Financial, der zeigt, ob jemand sich im Wirtschaftsleben vertrauenswürdig verhält — Rechnungen pünktlich zahlt, Mietwagen korrekt zurück bringt und ähnliches. Wer dies tut und einen hohen Score hat, geniesst verschiedene Vorteile, etwa die Möglichkeit Autos ohne Kaution mieten zu können.

  • Viele kleinere staatliche Initiativen auf lokaler Ebene, die bereits Ansätze das angedachten nationalen Systems erproben, aber von der Bevölkerung vielfach noch ignoriert werden.

Fazit: Einen national einheitlichen“SocialScore” gibt es aktuell noch nicht. Aber die Entwicklung daran wird vorangetrieben, teilweise durchaus mit Unterstützung breiter Teile der Bevölkerung. Wie das System genau aussieht und welche Bedeutung es für den einzelnen Bürger haben wird, kann man heute noch nicht sagen.

Die vier Trends zeigen eindrucksvoll, dass China mit hoher Geschwindigkeit an praktisch allen aktuellen Themen der Digitalisierung gleichzeitig arbeitet und dabei auch schnell voran kommt.

Dabei gäbe es an vielen Stellen durchaus gute Gründe für ein wenig konservativeres Denken — konservativ im Sinne von Lord Salisbury, dem englischen Premierminister im späten 19. Jahrhundert, der der Meinung war, es ginge nicht darum Veränderungen zu verhindern, sondern sie so zu verlangsamen, bis sie harmlos geworden sind.



Deutschland streitet noch über E-Autos, da plant China die nächste Auto-Revolution.

Batterie oder Wasserstoff — was ist die sinnvollere Auto-Technik? Die Antwort findet man in China!

(erschienen als Chinabriefs Kolumne bei Focus Online — DLDaily am 4.7.2019)

Der Bereich Elektromobilität ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie weit China inzwischen voraus ist: Während wir uns in Deutschland immer noch nicht sicher sind, ob E-Autos überhaupt Sinn machen und unsere Hersteller lieber mit der Politik über Voraussetzungen streiten, werden in China Fakten geschaffen:

  • Seit fast 10 Jahren sind dort viele Zweiräder bereits elektrisch unterwegs, inzwischen rund 30 Millionen. Dadurch sind die Strassen für asiatische Verhältnisse erstaunlich ruhig — teilweise gefährlich ruhig.

  • Während es in den ganzen USA nur 300 Busse mit Elektroantrieb gibt, sind in China bereits 421.000 in Betrieb. Das südchinesische Shenzhen hatte bereits 2017 als erste Stadt weltweit sämtliche 16.000 Busse ausgetauscht. Dieses Jahr waren alle 21.000 Taxis dran.

  • Gleichzeitig testet man auch ganz neue Verkehrskonzepte, etwa eine elektrische Straßenbahn, die ohne Schienen auskommt, weil sie wie ein Bus auf Reifen fährt. Das 32 Meter lange Fahrzeug kann 300 Passagiere aufnehmen und macht es möglich, die geringen Kosten und hohe Flexibilität eines Busses mit der höheren Kapazität eines Zuges zu kombinieren.

Die Geschwindigkeit mit der sich diese Entwicklung vollzieht, ist natürlich zum großen Teil direkte Folge des autoritären politischen Systems. Ebenso die oft unbegrenzt scheinenden finanziellen Mitteln, die der Staat zur Verfügung stellt, sobald ein bestimmter Industriezweig gezielt aufgebaut werden soll. Trotzdem müssen sich westliche Unternehmen an dieser Dynamik messen lassen, wenn sie im Wettbewerb nicht zurück fallen wollen.

Besonders hoch ist der Innovationsdruck im PKW-Bereich, wo in China aktuell hunderte kleinerer und grösserer Startups versuchen, neue vollelektrische Automobil-Marken an den Start zu bringen. Diese brauchen von der initialen Finanzierung über die Entwicklung erster Konzeptfahrzeuge bis hin zum Aufbau der gesamten Fertigung, oft weniger Zeit als ein deutscher Hersteller für die Realisierung eines einzelnen neuen Modells, wie z.B. Volkswagen für den Golf VIII.

Auch wenn die Schnelligkeit und Entscheidungsfreude der einzelnen Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, wäre auch dies niemals ohne staatliche Förderung möglich. Die Politik versucht hier sehr strategisch einen auf die Zukunft ausgerichteten Automobilsektor in China zu schaffen.

Allen Beteiligten ist dabei bewusst, dass man den Vorsprung westlicher Firmem bei konventionellen Fahrzeugen nicht mehr aufholen wird. Stattdessen will man aber bei alternativen Antrieben vom Start weg in Führung gehen.

Um dies zu erreichen gab es die letzten Jahre einen klaren Fokus auf ein bestimmtes Antriebskonzept: vollelektrische Batterie-PKW — BEV(Battery-ElectricVehicles). Nicht zuletzt aufgrund des bereits vorhandenen Vorsprungs bei der Batterietechnologie, machte dies auch absolut Sinn.

In Deutschland scheint sich inzwischen ebenfalls das BEV als bevorzugter Technologieansatz durchzusetzen — interessanterweise genau in dem Augenblick, wo wir in China Hinweise sehen, dass sich die Dinge dort ändern: staatliche Förderungen für den Kauf von BEV werden zurückgefahren, Startups in dem Bereich haben plötzlich Schwierigkeiten Anschlussfinanzierungen abzuschliessen und auffällig oft wird nun ein alternativer Technikansatz in den Medien erwähnt: die Kombination von Wasserstoff(H2)und Brennstoffzellen — FCEV(FuelCell Electric Vehicle).

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang besuchte im Mai 2018 ein Toyota-Werkin Japan, wo ihm der Toyota Miraivorgeführt wurde — eines der wenigen existierenden FCEV-Modelle, die man heute tatsächlich kaufen kann. Was immer er dort sah, es hat ihn nachhaltig beeindruckt. Denn seitdem finden sich Wasserstoff und Brennstoffzellen immer öfter in staatlichen Planungsunterlagen.

Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen zu glauben, China würde nun BEVs durch FCEVs ersetzen. Das wird mit Sicherheit nicht passieren, denn den Vorsprung im Batterie-Bereich will man mit Sicherheit nicht aufs Spiel setzen. Vielmehr wird man sich mit FCEV eine zweite Option schaffen, um frühzeitig Know-How auch bei dieser Technologie aufzubauen.

Und man kann davon ausgehen, dass China dabei, ähnlich wie Japan und Korea, das Thema Wasserstoff ganzheitlich angeht, denn allein für den Automobilbereich macht diese Technik wenig Sinn.

Stattdessen braucht es eine nationale Wasserstoff-Strategie, die folgende Fragen beantworten muss:

  • Wie kann der Wasserstoff CO2 neutral erzeugt werden?

  • Wie baut man ein weitreichendes und enges Distributionssystem auf?

  • Und wo gibt es H2-Nutzungsszenarien über den Fahrzeug-Bereich hinaus, z.B in der Industrie oder bei der Energieversorgung von Wohnhäusern?

In einem solchen Gesamtsystem würden FCEV sicherlich ihren Platz finden, vor allem im Nutzfahrzeugbereich, wo große, schwere Batterien wenig Sinn machen. Aber auch Schiffe, Züge und Flugzeuge könnten hier eventuell Wasserstoff zum Antrieb nutzen. All dies wäre ein grosser Schritt hin zur nachhaltigen Dekarbonisierung der gesamte Energieversorgung.

Wie man dies erreichen kann, darüber denken jetzt aktuell vermutlich eine ganze Reihe von Regierungsstellen in China sehr intensiv nach, um möglichst bald eine umfassende Strategie dafür zu präsentieren.

Genau hier sieht man aber einen großen Unterschied zwischen China(aberauch Japan oder Korea) und Deutschland — abseits von allen Differenzen im politischen System: denn hierzulande improvisiert jeder isoliert in seinem eigenen kleinen Silo — die einen mit sehr langem Anlauf auf der„NationalenPlattform Elektromobilität“, die anderen konzeptlos versprengt beim Kampf mit der Energiewende. Gemeinsam ein ganzheitliches Konzept zu erarbeiten, hält offensichtlich niemand für ein sinnvolles Vorgehen.

Anders in Asien: hier wird in so einem Fall ganz selbstverständlich ein übergreifendes und langfristig gedachtes Konzept erarbeitet und dann sehr konsequent, aber auch mit dem nötigen Pragmatismus, umgesetzt.

Womit sich auch die Antwort auf die Frage ergibt, was die sinnvollere Technologie ist — Batterie oder Wasserstoff? Wie so oft in China gilt auch hier: nicht“entweder,oder” sondern“sowohl,als auch” — aber eingebettet in eine kluge, strategisch durchdachte Konzeption.

Warum probieren wir so einen Ansatz eigentlich nicht mal in unserem Land aus?

Weitere Artikel zum Thema:

Roadshow "Influencer Marketing" - 21.-29. Mai 2019

Update 30.Mai 2019:

Inzwischen ist die Tour mit news aktuell abgeschlossen. Ihnen stehen aber die wichtigsten Charts meines Vortrags unten noch einmal zur Verfügung.

Wenn Sie Fragen zum Thema haben, einen Referenten im Bereich Digital Marketing suchen oder Unterstützung hier benötigen, schreiben Sie mir gern eine kurze Nachricht.


Eines der grossen Marketing-Themen der letzten Zeit ist der Einsatz von Influencern in der Marken-Kommunikation. Genau dazu hat die dpa Tochter news aktuell ihren diesjährigen Trendreport erstellt, der Ende Mai im Rahmen einer Roadshow vorgestellt wird.

An fünf Terminen werde ich im Rahmen eines Vortrag in des Thema einführen, zeigen wo Digital Marketing heute steht, sowie welche Rolle Influencer Marketing dabei spielt. Anhand konkreter Cases wird auch deutlich, was hier häufig falsch gemacht wird, welche besseren Ansätze es gibt und wie man mit den richtigen Zielen & KPIs beides voneinander unterscheiden kann. 

Im Anschluss stellt news aktuell die Ergebnisse ihrer Studie vor, gefolgt von spannenden Diskussionen und einem guten Frühstück.

Die Termine & Orte im Einzelnen:

Will jemand wissen, wo heute die echten Herausforderungen & Chancen für Unternehmen liegen?

Falls ja, dann empfehle ich diesen Beitrag vom diesjährigen OnlineMarketingRockstars Festival:

Verena Bahlsen, Kekserbin aus Hannover, sagt in dem recht spontan wirkenden (aka authentischen) Vortrag jede Menge kluge Dinge:

  • z.B. das man unter Innovationen viel zu oft irgendwelche Marketing-/Vertriebs-Gimmicks (“Beacons im Einzelhandel”) versteht und viel zu selten innovative / bessere Produkte (in ihrem Fall: gesündere & nachhaltigere Lebensmittel).

  • Woran das innovative Denken oft scheitert kann sie dabei auch klar beschreiben: “Unsere Unternehmen sind allein auf Profit oder Wachstum ausgerichtet und jeder ist total in Strukturen und Prozesse eingesperrt. Aber dann erwarten wir von Mitarbeitern, dass sie jetzt die Dinge mal komplett neu denken. Das ist doch Quatsch! Wie soll das gehen??”

  • Und schliesslich auch noch was zum aktuellen Hype-Thema Sinn & Purpose — nämlich, dass sie am Morgen auf einem Panel gefragt wurde, wie man heute einen Sinn für sein Unternehmen entwickelt und sie sich dabei gefragt hat, wann es eigentlich normal geworden ist, Dinge ohne Sinn zu machen…?

Halleluja!

Dass viele Mitarbeiter nicht mehr wissen, wieso es das Unternehmen wirklich gibt, in dem sie arbeiten und sie deshalb ihre ganze Arbeit schnell als sinnlos empfinden, ist sicher ein Kernproblem der Unternehmensführung heute. Oft versucht man das mit Purpose-Workshops, Agile & New Work zu lösen, anstatt bei den eigenen Produkten & Services anzusetzen.Warum? Weil echte “Profis” halt wissen, was man ändern kann und was nicht! Und so wird dann statt neuer Produkte, lieber ein Beacon ins Schaufenster gelegt. Ist ja auch irgendwie innovativ.

Warum das etwas kurzsichtig gedacht ist, kann man in dem Vortrag aber auch lernen: Verena Bahlsen sagt, dass sie sich freut, dass ihr ein Viertel der Firma gehört, weil sie so Geld verdienen und sich “von den Dividenden Segelyachten kaufen” will (Achtung: Ironie!). Nur denkt sie, dass man das mit “Weltverbessern” und “nachhaltigen Produkten” schaffen kann und nur deshalb interessiert sie das alles überhaupt! Sie versteht nachhaltiges Wirtschaften nicht als Schreckensszenario, sondern als riesige wirtschaftliche Chance, weil immer mehr Konsumenten genau das erwarten werden! Auch das eine Sichtweise, die ich sehr richtig finde, aber von der viele “Management-Profis” noch sehr weit entfernt sind.

Wie weit genau, sieht man, wenn man sich durchliest, was ein “Journalismus-Profi” von einem Qualitätsmedium wie dem Handelsblatt daraus macht — eine platte Gegenrede zu Kevin Kühnert:

Verena Bahlsen gegen Kevin Kühnert: “Ich bin Kapitalistin, das ist toll”

(…) Auch die vier Jahre jüngere Bahlsen gab sich radikal, aber in die umgekehrte Richtung: „Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll. Ich will mir ’ne Segel-Yacht kaufen und solche Sachen.“ Und sie legte nach: „Ich wollte früher unbedingt rebellieren und kreative Schriftstellerin werden. Doch dann habe ich gemerkt, was die Wirtschaft für ein Hammer-Vehikel ist.“ (…)

Fazit im Handelsblatt: Kevin Kühnert findet Sozialismus toll, Verena Bahlsen Kapitalismus, weil sie sich so Segelyacht(en) kaufen kann (den Plural aus der wörtlichen Rede, der die Ironie deutlicher macht, nutzt der Autor im Zitat(!) bewusst nicht). Wie schön einfach schwarz-weiss die Welt doch da plötzlich ist und in den Kommentaren unter dem Artikel wird schnell deutlich, dass diese Sichtweise nur zu gern aufgegriffen wird.

Aus Sicht des Autors eine runde Geschichte — nur leider vermittelt sie einen Eindruck, der die Aussagen des Vortrags in das exakte Gegenteil verfälscht. Und die Probleme, die darin benannt werden, bekommt man so nicht gelöst. Von daher ein schönes Beispiel dafür, dass man vieles vielleicht doch nicht den “Profis” überlassen sollte… #SoSad. 🤦‍♂️


Update - 20. Mai 2019:

Den Text oben hatte ich kurz nach dem Vortrag geschrieben, ohne zu ahnen, was danach passieren sollte. Der Artikel im Handelsblatt löste eine recht grosse Kontroverse aus, nach dem Fans von Kevin Kühnert, die aufgrund des Artikels einen falschen Eindruck vom Vortrag bekommen hatten, Verena Bahlsen per Twitter vorhielten, sie würde sich ihre Yacht mit einem Erbe kaufen wollen, das auch von Weltkriegs-Zwangsarbeitern erwirtschaftet wurde. Dieses Thema griff dann die Bild auf und das daraus folgende Medienecho habe ich im folgenden mal ein wenig aufbereitet:


Coooole, neues Smartphones? Kannste knicken! 🤣

Faltbare Smartphones sind angeblich der Megatrend 2019…!? Und Apple schaut jetzt ganz arm aus, weil man das iPhone nicht knicken kann…!? Nicht Euer Ernst! Obamas spontane Reaktion, als er die Knickphones zum ersten Mal sah, sagt alles:

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Die Mischung aus einem klobigen Handy und einem Tablet mit komischer Screengrösse ist (in der aktuellen Form zumindest) die sinnvollste Erfindung seit ein Unternehmen versucht hat, Zahnpasta und Toilettenreiniger zu kombinieren — weil es so irre praktisch ist, denn beides sollte ja in jedem Bad vorhanden sein. Aus unerfindlichen Gründen sahen das die Kunden anders... 🤣

Aber für eines sind faltbare Smartphones durchaus zu gebrauchen: als klares Zeichen für die aktuelle Innovationsschwäche von Apple!!!

Solange sich Apple Jahr ein, Jahr aus zuverlässig coole Features einfallen lies, hatten die Wettbewerber klare Vorgaben, die sie kopieren konnten. Seit das nicht mehr der Fall ist, müssen sich Samsung & Co. selbst was einfallen lassen und herauskommen Dinge, die man macht, weil man sie machen kann — nicht weil sie jemand haben will. Schade eigentlich. Sicher, man kann darauf prima Spiele spielen — aber für 2.000+ Euro? Megatrend geht anders. Fürs erste werden faltbare Smartphones primär genutzt, damit ihre Besitzer zeigen können, dass sie sich sowas leisten können und die, denen man sie zeigt, werden sich ihren Teil dabei denken.

Btw, was ist eigentlich aus Google Glasses geworden….? 🤓

Ein Vorschlag für Marken, die Purpose & Woke für das nächste dicke Ding halten…

Gestern habe ich zufällig am Bahnhof die neue Ausgabe der brand einsgesehen: unter der Überschrift WIR SIND DIE GUTEN geht es diesen Monat um “Firmen, bei denen es zum guten Ton gehört die Welt zu retten”.

Klingt ja eigentlich nach spannenden Firmen. Nur läuft das Ganze unter dem Schwerpunkt Marketing und das Editorial mit dem Titel: “Gutfirmentum”. beginnt mit dem Beispiel Krombacher…!?

Irgendwie kommt da die Vermutung auf, es geht nicht wirklich um Firmen, die die Welt retten wollen, sondern eher um solche, die mit auf die Sau wollen, die gerade durchs globale Marketing-Dorf getrieben wird: wer heute ganz vorn dabei sein will, betreibt bewusstes „Virtue Signaling“, begreift „#WOKE as a Strategy“ oder probiert irgendwas mit „Purpose“. Millenials lieben Purpose! Kurz: man tut etwas Gutes (irgendetwas!) und spricht dann darüber — lang und ausführlich, mit ganz viel Reach!

Was durchaus gut in die Zeit passt, endet in der Praxis oft als #LipstickOnAPig💄 🐷. Doch wer glaubt in diesen zynischen Zeiten noch an sowas? Könnte man bevor man so tut, als wenn man die “Welt” retten will, nicht erstmal mit etwas Kleinem anfangen — z.B. mit der eigenen Marke und…

  • … Kunden wirklich(!) ernst nehmen, spannende Produkte bauen, sie mit sinnvollen (digitalen?) Services verbinden, die auch funktionieren und das dann zu einem angemessenen Preis anbieten.

  • Dabei Mitarbeiter, Kunden & Partner fair behandeln, die Umwelt nicht zu sehr stressen und stolz darauf sein, dass man Steuern zahlt, statt sie zu vermeiden.

Das alles dann noch glaubwürdig kommunizieren und schon hat man eine schöne, nachhaltige Strategie für die heutige Zeit: #purpose, #woke — alles drin. Allerdings nur, wenn man es ernst meint und gut macht!

Viele Firmen, gerade im Mittelstand, tun ja auch genau das. Aber für viele grosse Unternehmen erscheint das alles total unrealistisch. Warum? Weil die eigenen Produkte nun mal langweilig sind! Oder der Service nicht in der eigenen Kostenstelle, sondern im Silo gegenüber ist! Überhaupt hat man gerade ganz andere Baustellen, als Produkte & Kunden!

Dann bleibt nur Plan B: 💄🐷 — einfach mit einem Schuss Agile & New Work den Purpose sauber skalieren: Coole Scrum Sessions, kostenfreie Kaffeespezialitäten für alle (wichtig: auf Transfair achten!), einen Kicker für die Entwickler und eine Tombola fürs Tierheim! Dann noch ein Briefing an die Agentur mit der Leitidee “Diversity”! Fertig! Den Rest erledigen die gebuchten Influencer…

Nur genau diese Form von “Haltung zeigen” und Purpose-Gedöns kann man sich getrost sparen. Denn was von der ursprünglichen Idee übrig bleibt, ist nur eine Fassade und die wird heutzutage bestenfalls ignoriert. Wenn es schlecht läuft, beschädigt man die eigene Glaubwürdigkeit. Wer hier wirklich ernst genommen werden möchte, startet alle Überlegungen bei den eigenen Produkten und Kunden — dann ergibt sich der Rest von ganz allein.

Und für wen das keine Option ist, der macht besser gleich das mit den Fähnchen... 😉

Enjoy your Netflix while it lasts, because the Future of Streaming Video is coming…

Photo by  Jens Kreuter  on  Unsplash

Just read an interesting interview with Disney´s CEO Bob Iger. Interesting because of what he is NOT talking about: fantasy, imagination or customers.

He does talk a lot about the consumer! Direct-to-consumer, to be precise, because their new streaming service is the next big thing: cutting out Netflix (and its probably superior UX with it) and force people to pay directly to Disney if they want to see the new Star Wars TV series. Sorry, dear customer, but "It’s all about return on invested capital!"

Btw, why isn’t this called Direct-from-Consumer…? 🤔

Anyway, 2019 will be a great year for Disney, because of the next Avengers, Toy Story 4, Frozen 2. And don't forget: Star Wars IX!. Last year wasn’t bad either:

"We’re going to hit $7 billion [in 2018] as a studio [in] global box office."

Wow! And don't get him started on Avatar 2,3,4,5 and 6!!

"I’ll call it growth or evolution of core characters and introduction of some new ones. It didn’t do $2.6 billion worldwide by accident. There’s something there."

I am sure there is. But I am not sure whether I like it...!?

These are the executives who are building the future of streaming video for us, scaling an imaginary ROIC in the process, until every studio has its own little Netflix clone and we all will have to cough up $10 per months for every single one: you want Star Trek AND Star Wars…? Then pay up…

Have fun... Bob will... 💸😈

Bücher, Tipps & Links rund um das Thema “China verstehen“

Nachdem ich jahrelang in die USA "gepilgert" bin, wenn ich mal einen Blick in die Zukunft werfen wollte, geht es nächste Woche mit dem Inside China Summit von dgroup & Accenture zum ersten Mal nach China. Bin schon sehr gespannt auf ein Land, das in der Zeitspanne, die wir brauchen um ein überschaubares, 30 Jahre altes ICE-Netz zu erneuern, zehntausende Kilometer Highspeed-Rail-Netzwerk aus dem Boden stampft... sich die Technologie dafür "zusammenklaut" und dann daraus Züge baut, die doppelt so schnell fahren, wie bei uns... und das sogar mit funktionierenden Toiletten!! Irre!!!

#1 Land verstehen.

Um mich auf die Reise vorzubereiten habe ich nach interessanten Büchern gesucht und dabei ein recht neues gefunden, das den etwas öden Titel "Die Chinesen" trägt und ein mindestens ebenso langweiliges Cover hat.

Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen: auf den rund 400 Seiten erfährt man zwar nichts zu AI, Blockchains oder Quantencomputer - dafür aber sehr viel zu KonfuzianismusDaoismusLegalismus und all die historischen & philosophischen Grundlagen, die man kennen sollte, um die Hintergründe in China verstehen zu können. Auch wenn die Themen etwas trocken klingen, ist es recht kurzweilig geschrieben - man kommt schnell durch und lernt eine Menge!

#2 Sprache verstehen.

Irre ist in China auch die Sprache! Um eine Zeitung lesen zu können muss man mindestens 8.000 Schriftzeichen auswendig lernen und chinesische Wörter bestehen aus nur 1 bis 3 Silben, die man aber jeweils auf 4 verschiedenen Weisen aussprechen kann - womit sich die Bedeutung jedes Mal komplett ändert: das Wort "ma" kann so je nach Aussprache z.B. Pferd, Nummer, fluchen oder Mutter heissen. 🤯

Das wirklich zu lernen dauert etwas länger, aber Aufbau und Struktur, sowie ein paar Grundlagen der chinesischen Sprache verstehen, geht deutlich schneller - z.B. mit einem Hörbuch vom SWR.

In etwa 70 Lektionen, die jeweils nur 2-3 Minuten dauern, unterhalten sich eine chinesische Lehrerin und ein Sprachwissenschaftler mit jemandem der keine Ahnung hat über das Thema "Sprache in China" und bringen ihm so einiges bei - mir praktischerweise auch. In rund 4 Stunden kann man damit ganz nebenbei ein paar Grundlagen aufnehmen.

#3 Unternehmen verstehen.

Den letzten Buchtipp verdanke ich Harald Fortmann: er hatte mich im Juni zu einer Veranstaltung mit Wolfgang Hirn (Reporter, Buchautor und China-Experte) eingeladen und der hatte praktischerweise sein neuestes Buch dabei.

In den sechs Kapiteln von Chinas Bosse erfährt man sowohl Grundlegendes zur chinesischen Wirtschaft, als auch viele interessante Details zu zahlreichen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen - inklusive biografischer Anekdoten zu den Gründern und Managern dieser Firmen.

Auch ganz interessant.

Neben diesen drei Büchern habe ich mir auch "The One Hour China Book: Two Peking University Professors Explain All of China Business in Six Short Stories" und "Business-Kultur in China: China-Expertise in Werten, Kultur und Kommunikation" angeschaut.

Ausserdem hatte mir Wolfgang Hirn noch den täglichen "Sinocism China Newsletter" von Bill Bishop empfohlen, von dem es auch eine kostenfreie, wöchentliche Variante von Axios gibt.

Auf Twitter habe ich mir dann noch eine Liste mit interessanten Twitter-Accounts von China-Experten gebaut über die man sich ganz gut über Aktuelles auf dem Laufenden halten kann.

Damit fühle ich mich schon mal recht gut vorbereitet. Aber falls jemand noch andere Tipps, Links oder Bücher hat, die man kennen sollte, würde ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren sehr freuen!

Bis dahin sage ich jetzt einfach mal 我期待着在中国激动人心的时刻!🇨🇳 👍 😉

Update Dezember 2018 - Inzwischen habe ich noch zwei sehr aktuelle Bücher gefunden, die man sich auch mal anschauen sollte:

Volkswagen vs. Tesla ?

"Wir werden 2020 kommen mit Fahrzeugen, die alles können wie Tesla und um die Hälfte billiger sind" - sagt Herbert Diess bei "Maybrit Illner" im ZDF. Klingt nach totaler Selbstüberschätzung, aber ist, - wie das Manager Magazin rausfindet - gar nicht weit weg von der Realität..

Etwas reichweitenärmer und geringfügig lahmer wird die Basisversion des Neo also im Vergleich zu Teslas Model 3 ausfallen - sie dürfte aber tatsächlich um mindestens 10.000 Euro weniger kosten als die Einstiegsvariante der Kalifornier. VWs künftige Elektroautos dürften punkto Reichweite und Leistungsdaten tatsächlich in der Tesla-Liga mitspielen, bei merklich günstigeren Preisen. Die gleiche Leistung fürs halbe Geld - diese Aussage von Diess stimmt zwar nicht ganz, aber die Wolfsburger kommen wohl in die Nähe.

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….zumindest der Realität in 2018. Nur wo steht Tesla in 2 Jahren?

Als jemand, der aktuell einen e-Golf (sehr coole Hardware) und Volkswagen Car-Net (sehr langweilige Software) täglich ausprobiert, würde ich mal sagen: Autos bauen kann VW, beim Rest wird man noch sehr, sehr viel dazu lernen müssen.

Car-Net ist aktuell nicht mehr als ein paar sehr dünne, eigentlich selbstverständliche Funktionen verpackt in einem User-Interface, welches sich nur Techniker ausdenken können, die noch nie einen Kunden alias User aus der Nähe gesehen haben. Dafür Geld von jemandem nehmen zu wollen, der schon einen Premium-Preis für sein Automobil gezahlt hat, ist irgendwas zwischen peinlich und frech. Und hat hoffentlich absolut gar nichts mit dem zu tun, was für den I.D. Neo geplant ist…!?

Wie sich hier das Denken erstmal grundsätzlich ändert muss beschreibt Carsten Breitfeld - CEO des chinesischen E-Mobility Startup Byton - sehr schön in seinem Interview für t3n:

Ein Automobilunternehmen geht davon aus, dass ein Auto fertig ist, wenn es ausgeliefert wird. Und bevor es fertig ist, müssen Software und digitale Inhalte zwei Jahre vorher stehen. Das heißt, wenn ich damit auf dem Markt bin, ist es alt. Die Innovationszyklen bei Software verlaufen in Wochen, nicht in Jahren. Das heißt, dass die Branche ein völlig anderes Modell adaptieren muss. Jedes ausgelieferte Produkt ist immer nur ein „Snapshot“ – und sobald der Kunde das Produkt bekommt, wird er als allerstes den Update-Button drücken und die aktuelle Software herunterladen. Und dann wird er regelmäßige Updates bekommen, auch wenn die Hardware-Basis gleichbleibt. Das ist weniger ein technisches Problem als ein Mindset-Problem. Ein Unternehmen zu bauen, das dieses Mindset hat, kommt eher aus der Ecke Consumer-Elektronik als aus der Autoecke.

So lange Herbert Diess nicht davon spricht, dass er bald weniger in der Automobilindustrie und mehr im Gadget-Business tätig ist, geht es mir wie dem guten alten Faust:

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.