Future Candy Podcast: Trendradar 2026
Jedes Jahr setze ich mich mit Nick Sohnemann von Future Candy zusammen, um unsere Prognosen für das kommende Jahr zu diskutieren. Das Format ist simpel: Jeder bringt drei Themen mit, wir spielen sie im Wechsel durch und kommentieren uns gegenseitig. Was dabei rauskommt, ist oft überraschend – weil wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen und trotzdem an ähnlichen Stellen landen.
Dabei bringt Nick die Perspektive des Innovationsberaters mit, der neue Technologien und Startups beobachtet. Ich schaue stärker auf die strukturellen Veränderungen und was wir von Märkten wie China lernen können – nicht um dort aktiv zu werden, sondern als Benchmark für das, was operativ auch bei uns möglich ist.
So sind in der neuesten Episode folgende sechs Themen zusammengekommen:
Meine drei Themen für 2026
1. Geopolitik ist jetzt Chefsache
Die letzten 30 Jahre konnten wir Supply Chains optimieren, ohne uns um Ländergrenzen zu kümmern. Vorbei. Trump ist noch kein Jahr im Amt und hat mehr zerstört als aufgebaut – ironischerweise stärkt er damit China, das überall in die Lücken stößt, die die USA hinterlässt. Für Unternehmen heißt das: Geopolitische Kompetenz gehört in jede Strategierunde.
2. Das Ende des Innovationstheaters
Wir haben jahrzehntelang Innovationen simuliert – Benchmarks, Demos, LinkedIn-Posts. Und so hat sich das Solow-Paradoxon ins KI-Zeitalter gerettet: Alle digitalisieren und nutzen KI, aber kaum ein großes Unternehmen sieht einen wirtschaftlichen Nutzen.
In China läuft es anders. Während wir z.B. den nächsten DeepSeek-Schock erwarten, haben dort alle angefangen, KI tief in die Unternehmen zu integrieren. Zero-Touch-Companies wie Xiaomi bauen autonome Fabriken. Der Vergleich spricht Bände: Apple entwickelte jahrelang für Milliarden am Apple Car – Ergebnis: nichts. Xiaomi braucht 1.123 Tage von der Ankündigung bis zur Auslieferung des SU7 – und verdient inzwischen mit seinen Autos schon Geld.
3. Die asoziale Ökonomie
In unserem Wirtschaftssystem besteht die Zielgruppe immer aus isolierten Individuen. An soziale Beziehungen untereinander wird kaum gedacht, kaum noch bauen Unternehmen heute wirklich echte Beziehungen zu Kunden auf.
Bestes Beispiel: der E-Commerce. Warum kann ich bei Taobao in China mit Freunden zusammen shoppen, aber bei uns nicht? Warum denkt Agentic Commerce nur an isolierte Individuen, die Befehle an KI geben? Augmented Collective Intelligence aus Taiwan zeigt einen anderen Weg: KI, die menschliche Zusammenarbeit verbessert statt ersetzt.
Nicks Themen für 2026
1. Defense als Wirtschaftsmotor
Nick sieht einen Hoffnungsschimmer: Die Verteidigungsnotwendigkeit treibt Deep Tech, Space Technologies und eine neue Generation von Unternehmen wie Quantum Systems oder ESA Aerospace. Ähnlich wie das Silicon Valley in den 60ern könnte hier ein neues europäisches Innovationsökosystem entstehen.
2. Humanoide Roboter kommen in die Fabriken
Unitree, Figure, Boston Dynamics – die Hardware ist da. Der BMW-Pilot mit Figure 3 zeigt erste echte Use Cases. Nicks These: Menschen und humanoide Roboter werden künftig zusammenarbeiten, um das demografische Problem zu lösen.
3. One-Person-Companies
N8N aus Berlin ist zum Unicorn geworden. Die These: Mit KI-Workflows können Einzelpersonen künftig Probleme lösen, für die sich bisher keine Firma gelohnt hat. Tausende Nischen warten darauf – von Speisekarten-Design bis Flughafen-Gate-Planung.
Hier die gesamte Folge auf Spotify zum Selberhören: