Short-term profit taking vs long-term brand building.

While hurricane Irma is closing in on Florida some see a great business opportunity: suddenly flights out of Florida are in high demand - perfect for price hikes and short term yield management.

JetBlue on the other side is just doing the right thing - and the same time some nice long-term brand building. 

Chatbots do look cool - but won't solve the biggest Problem Brands face when „chatting“ with Consumers.

A couple of years ago, a brand page on Facebook was supposed to be THE place for customer dialogue. Back then wall-postings by the brand and their fans were on an equal footing - hence: the Golden Age of Facebook shitstorms! Lots of fun for consumers, but bad for business (at times).

Then Facebook discovered their business model (sell brands the reach to their fans) and suddenly dialogue was relegated to the sidebar; down below where nobody will see it - hence: no more shitstorms, but shitloads of money from brands and their media agencies. Much better for Facebook and the brands, but no so much for a customer with a problem.

Fast forward to 2016. This year is supposed to be the year of something called „Conversational Commerce“ (short: #ConvComm) with a re-newed focus on starting a real dialogue with the customer - but this time no longer public and shitstorm-prone! Instead the conversations will (perhaps? probably?) move to chat services like WhatsApp or Facebook Messenger. And another big shift will support this - the shift from apps to bots

In theory a customer with a problem doesn’t care if a human being or a bot is on the other side of a conversation - as long as the problem gets solved. So with chat bots on the rise real 1-1 dialogue becomes economically viable for brands and a great option for the customer at the same time - win win (hopefully with a little bit of human assistance, if needed).

Sounds a bit like Science Fiction, doesn' it?

But as a matter of fact, it's already reality! KLM now started to use Facebook Messenger for customer support and it looks quite promising: 

This is one that I've been personally eager to solve for a while. Removing stress, and complication from air travel. I'm...

Posted by David Marcus on Wednesday, March 30, 2016
Receive your booking details via Messenger

Use Messenger to get on board. All your travel info in one place.

Posted by KLM on Wednesday, March 30, 2016

So far, so good. But still: the real issues with customer dialogue usually aren’t technical in nature. Very often companies just try to deflect customer complaints because there are no processes to really solve them or a real solution is just deemed to be too expensive.

And with this bots won’t be able to help. Brands have to get serious about really becoming customer-centric first!

If the dialogue in Messengers is seen as just another (hopefully more cost-effective) way to talk TO a customer, instead of WITH him, those shiny new chatbots will start handing out useless links to dead-end feedback forms pretty quickly — as their human predecessors have done for “ages”…!?

For more interesting cases of Conversational Commerce check out Chris Messina’s #ConvComm page on Product Hunt.

Wie man mit Virtual Reality (sinnloses) Influencer Marketing prima skaliert!

Inzwischen weiss eigentlich jeder, wie Influencer Marketing geht, oder?  Man treibt ein paar Instagram-Mädels zusammen, hält das eigene Produkt in den Hintergrund, wenn sie ihre Selfie-Sticks ausfahren, addiert dann deren Followerzahlen in einer Excel-Tabelle und präsentiert das Ergebnis schliesslich dem Kunden als „Reichweite“. Fertig. Easy.

Nun kommt Micheal Mehring und behauptet in einem krassen Text auf Medium, das wäre alles Quatsch. Stattdessen müsste man ganz anders an die Sache rangehen:

Influencer Marketing ist dann gut, wenn es eine kritische Auseinandersetzung zulässt. Wenn es Inspiration bringt. Wenn es einen roten Faden gibt. Wenn der Erfolg nachweisbar ist. Und — vielleicht am Wichtigsten — wenn die Marke sich spürbar zurücknimmt, anstatt laut sein zu wollen.

Bitte? Influencer Marketing als "kritische Auseinandersetzung" mit einer Marke, die "sich spürbar zurücknimmt"....!? #CRAZYTALK

Klar hat er irgendwie Recht. Aber ist das nicht riskant? Da weiss doch niemand, was mit der eigenen Marke so angestellt wird.  Und überhaupt: wie will man das denn sauber skalieren? Schliesslich will man vor allem Reichweite und die möglichst günstig, schnell + sicher! Der oben beschriebene Ansatz mag keinen Sinn machen, aber er lässt sich zumindest skalieren!!

Und für das Problem, dass man hier etwas skaliert, was niemanden interessiert, gab es auf der diesjährigen SXSW einen schicken neuen Trend zu bewundern, der dies sehr einfach löst: Virtual Reality!  Wie diese Lösung aussehen könnte, hat Tom Fishburne aka The Marketoonist wieder einmal sehr schön visualisiert

Einfach die VR Brille aufsetzen und dann die (virtuelle!) Realität geniessen, in der man eh die ganze Zeit schon lebt. Fertig. Easy. 

Die Zukunft der Werbung? Penetranz schlägt Relevanz!

Spannende Innovation am Werbehimmel: „Samsung’s smart TVs are inserting unwanted ads into users’ own movies!“ Anscheinend wollen uns Samsung & Yahoo dort mit Werbung beglücken, wo wir aktuell noch recht sicher davor sind - z.B. beim Schauen eines Films auf AppleTV. Wie das praktisch aussieht und wie die „Zielgruppe“ darauf reagiert, kann man hier sehen. Irre! Wer würde sowas buchen??

Als ich das gestern las, musste ich spontan an das nette kleine Facetime-Geplauder zwischen Richard Gutjahr und Amir Kassaei denken, das Richard letzte Woche unter dem martialischen Titel „Kriegsziel Kunde: Zum Zustand der Online-Werbung 2015“ in seinem Blog veröffentlicht hat: 

Ausgehend von der Frage, wieso Werbung heute nervt wie nie, werden darin viele richtige Dinge angesprochen - z.B. die Tatsache, dass Big Data bisher viel versprochen, aber nur wenig gehalten hat. Wer schon mal wochenlang von Online-Bannern voller Schuhen verfolgt wurde, die man bereits lange gekauft hat, weiss ganz praktisch wie sehr (digitale) Werbung wirklich nerven kann. Für Amir ist es ein Fehler hier weiter vor allem auf Reichweite zu setzen. Stattdessen würde Relevanz zunehmend wichtiger - um das Generve zu reduzieren. 

Eine These, die nicht ganz neu ist und die ich sehr gern glauben würde. Doch gefühlt geht die Entwicklung - wie auch das Beispiel Samsung zeigt - immer öfter in die entgegen gesetzte Richtung. Denn Werbeträger und Werbetreibende lieben Reichweite, weil sie so schön einfach ist. Relevanz dagegen ist kompliziert. 

Deshalb erscheint es für alle Beteiligten sinnvoller nach Wegen zu suchen, um der armen Sau „Endverbraucher“ auch in Zukunft jeden irrelevanten Schrott rein drücken zu können. Wenn das aktuell nicht mehr so richtig funktioniert, dann vielleicht nur, weil man es nicht konsequent genug versucht? Wie es aussieht, wenn man genau das tut, bekommt man recht anschaulich in der Episode „Fifteen Million Merits“ der exzellenten TV-Serie Dark Mirror von Charlie Brooker vorgeführt:

Hier leben die „Endverbraucher“ in kleinen Zellen, deren Wände komplett aus Bildschirmen bestehen und über die sie endlos mit belangloser TV-Unterhaltung auf RTL-Niveau sediert werden. Kaufen tun sie nichts mehr für sich selbst, sondern nur noch für ihren Avatar, der dafür vermeintlich überall dabei sein kann. Die Werbung zu ignorieren ist in dieser Welt schlichtweg unmöglich, denn während der Werbeblöcke wird einfach die Tür verriegelt; schliesst man die Augen, stoppt das Programm und ein schriller Ton fordert dazu auf, sie wieder auf zu machen - endlich eine überzeugende Lösung für die Ad-Blocker-Probleme der Vergangenheit. Und das alles ist erst der Anfang vom Horror! (Btw, so intelligent kann Technik-Kritik sein, wenn sie nicht aus Deutschland kommt - aber das nur am Rande)

Das Spannende an Brookers Medien-Dystopie ist die Tatsache, dass das meiste davon schon existiert: der hirn-abtötende TV-Content, der Kampf gegen das Ignorieren von Werbung, die Partizipationsillusion - alles schon da, hier nur einfach konsequent zu Ende gedacht!

Hoffen wir mal, dass uns dies in letzter Konsequenz erspart bleibt. Doch in welche Richtung es hier grundsätzlich geht zeigt am besten Facebook: da lief es an der Börse erst so richtig rund, nachdem man sich vom Dialog- zum Reichweiten-Medium gewandelt hat und nun mühelos globale Media-Etats unterbringen kann. Prima für die Werbung, nicht so schön für den "Endverbraucher". Denn dort, wo früher die Stories von Freunden waren, watet der nun knietief in gesponserten Topmeldungen - dies inzwischen auch auf mobilen Endgeräten mit Auto-Play Videos, bald anscheinend auch auf jedem beliebigen Bildschirm und alles natürlich perfekt "getargetet"....!?

Sicher wird so auch spannende, relevante und interessante Werbung möglich. Aber das ist halt kompliziert. Wer es einfach haben will und ausreichend Budget mitbringt, für den gilt in dieser schönen, neuen Werbewelt vielleicht noch mehr als früher:

Penetranz schlägt Relevanz!

Gerade wenn erstmal die grossen Budgets, die aktuell noch in TV-Werbung gehen, in digitale Werbung gesteckt werden, wird das alles erst so richtig spannend. Die Hoffnung darauf spiegelt auch der aktuelle Börsenkurs von Facebook wider.

Doch eine Frage wird dabei bisher kaum diskutiert: gibt es hier nicht eine natürliche Grenze? Wieviel Sponsored Spam u.ä. (vielleicht bald Auto-Play-Pre-Rolls?) kann man dem Endverbraucher in den Feed kippen, bis auch all das Targeting nix mehr hilft und der den Kanal dicht macht? Und was, wenn dann noch ganz viel Budget vom Shift TV zu Digital übrig ist??

The perfect Brand Video for just about Everything

Last month, Kendra Eash wrote a nice little text for McSweeney’s, which contains everything a generic brand video needs these days. Now, Dissolve.com (a provider of royalty free stock video footage) took the text, added a voice over and a couple of HD clips from their archive - which look great, but mean nothing. Perfect fit.

The result is something that looks all too familiar: 

Are you still paying your agency insane amounts of money to come up with something similar? Why??

/via Amos

How to build an Airline Website that doesn't suck

Nearly all travel websites I know suck... big time... Booking your travel usually is a real pain in the xxx... unfortunately...

But it doesn't have to be that way !

At least not if you look at this study from the digital design agency Fi.  They tried to imagine an airline website that uses all the magic of modern webdesign while focusing on a great user experience. And they came up with something that obviously doesn't suck at all... 

Prozesskostenoptimierter Kundendialog am Beispiel der Deutschen Bank

Seit vielen Jahren bin ich Kunde der Deutschen Bank und war bisher immer durchaus zufrieden. Doch in letzter Zeit gab es gewisse Unstimmigkeiten: vor allem aufgrund einer Rürup-Rente, die sich als ein wenig unglücklich gestaltet herausstellte ("Da haben wir Sie damals leider falsch beraten") und Kreditkarten, die häufig Probleme machen ("Unsere Karten sind halt besonders sicher!").

Beschwert man sich in solchen Fällen, landet man bei der Deutschen Bank, wie bei den meisten Grosskonzernen, in Kundendialogprozessen, die leider mehr auf die Erfordernisse des Unternehmens, als auf die des Kunden abgestimmt sind. Solche Prozesse arbeiten auch im Jahr 2013 immer noch gern mit der guten alten Briefpost - vermutlich weil die unsere manchmal doch recht hektische Welt so herrlich entschleunigt.

Ein solcher Vorgang beginnt deshalb immer mit einem echten Brief, in dem zunächst versichert wird, wie wichtig der Bank das eigene Anliegen ist. Deshalb möchte man es gebührend prüfen und bittet hierfür um "etwas Zeit und ein wenig Geduld". Nur wenige Wochen später bringt der Postbote einen weiteren Brief: darin wird noch einmal versichert, wie wichtig das eigene Anliegen ist, das man nun eingehend geprüft hätte. Dabei konnten keine Probleme festgestellt werden, alles ist gut und das Anliegen damit erledigt - mit freundlichen Grüßen von der "Leitung KundenService" (ganz modern - mit großem S und ohne Bindestrich).

Schreiben dieser Art bestehen komplett aus Textbausteinen und benötigen für Formulierung, Zusammenstellung, Ausdruck und Versand pro Brief sicher nur wenige Sekunden. Die damit erzielte Effizienz dürfte beindruckend sein. Die perfekte Lösung für den "Dialog" mit dem Kunden - zumindest aus Sicht des Unternehmens. Für den Kunden hat dies jedoch einen kleinen Haken: er muss auf die Beantwortung seiner konkreten Fragen weitgehend verzichten und sich mit inhaltsleeren Worthülsen zufrieden geben. Nicht optimal, aber in den meisten Fällen vermutlich vollkommen ausreichend.

Doch immer mal wieder gibt es einzelne Kunden, die sich mit dem dürren Ergebnis des Standardprozesses nicht zufrieden geben. Sie fragen nach. Vielleicht auch öfter. Bessere Antworten produziert das Textbausteinarchiv für sie zwar nicht. Doch wenn es gut läuft, landen sie irgendwann im "Präsentprozess" und bekommen etwas geschenkt - so eine Art Trostpreis für die gezeigte Hartnäckigkeit. 

Auch für meinen Vorgang wurde nach wiederholten Beschwerden der entsprechende Prozess angestossen und so kann ich nun hier präsentieren, was dann am anderen Ende beim Kunden rauskommt - das "Präsent":

Eigentlich eine schöne Geste, jedoch geht sie in der Umsetzung  komplett daneben: statt der gewünschten Antworten bekommt man einen Wein wie aus dem Scherzartikelversand...!? 

Als Kunde drängt sich einem da vor allem eine Frage auf: was für eine Meinung hat die Deutsche Bank bitte von ihren Kunden? Glaubt man da wirklich, es reicht aus den billigsten Wein, den der Einkauf finden kann, in eine pseudo-hochwertige Holzkiste zu stecken, Porto drauf und ab zum Kunden - schon fühlt sich der kleine Crétin so geehrt, dass er wieder glücklich & zufrieden ist und sein eigentliches Anliegen vergisst?

Dabei geht es nur vordergründig um Preis und Qualität des "Präsents" selbst - auch wenn die Optik hier mehr als unglücklich ist. Viel delikater ist die Denke dahinter, die Kundendialog als blosses Kostenproblem sieht, das sich mit Standardschreiben und -prozessen lösen lässt und dabei den Kunden weitgehend ausblendet.

Wenn Kostenoptimierung dann solche Ergebnisse liefert, läuft gründlich was schief, denn die Prozesskosten sind nur oberflächlich betrachtet effizient. Hier ist nicht das verfügbare Budget das Problem, sondern die grundsätzliche Haltung gegenüber Kunden und dem eigenen Anspruch an den Dialog mit ihnen.

Epilog: Das Video habe ich übrigens vor zwei Wochen an die Deutsche Bank geschickt und gefragt, ob das vielleicht ein verspäteter Aprilscherz war. Was kam als Reaktion? Nach etwas über einer Woche kam ein weiterer Brief: mir wurde versichert, wie wichtig mein Anliegen ist und man es gebührend prüfen möchte. Doch dafür benötigte man nun "etwas Zeit und ein wenig Geduld"...

Update

on 2013-07-20 13:17 by Björn Ognibeni

Ich bin gerade aus dem Umfeld der Deutschen Bank gebeten worden etwas klarzustellen, um Missverständnisse zu vermeiden: hier geht es nicht primär um Kundendialog in sozialen Medien, sondern eher klassisch per Brief und so. Das im Video gezeigte Posting auf der Facebook-Page der DB ist (bisher) auch nur als "Simulation" zu verstehen, um zu verdeutlichen, wie ein Kunde heutzutage reagieren könnte. 

Update

on 2013-09-06 12:46 by Björn Ognibeni

Inzwischen sind über 6 Wochen rum und anscheinend benötigt die Deutsche Bank dieses Mal sehr viel Zeit und ich noch mehr Geduld. Denn bisher gab es keine Reaktion abgesehen von obiger Bitte doch klarzustellen, dass ich - anders als einige Mitarbeiter der Bank nach Schauen des Videos anscheinend dachten - bisher nichts auf der Facebook Page der DB dazu geschrieben habe. Irgendwie schien das die einzige Sorge zu sein. Und vielleicht ein guter Grund dies nun nachzuholen...

Update

on 2013-09-06 11:52 by Björn Ognibeni

Tja, so schnell kann es gehen: nun hat Tom Hillenbrand aka Tom König den Link zu diesem Posting bei Twitter und Facebook gepostet. Und während ich noch überlege, ob ich die Story wirklich auf der Facebook Page der DB haben möchte, hat sie jemand anders dort bereits verlinkt... 

Abercrombie & Fitch Gets a Brand Readjustment

Last week Business Insider ran an article about Abercrombie & Fitch which mentioned the fact that the "teen retailer doesn't stock XL or XXL sizes in women's clothing because they don't want overweight women wearing their brand." To prove this they quoted the CEO Mike Jeffries saying...

"Candidly, we go after the cool kids. We go after the attractive all-American kid with a great attitude and a lot of friends. A lot of people don't belong [in our clothes], and they can't belong. Are we exclusionary? Absolutely."

That quote comes from a

Salon article published in 2006

. So it's pretty old. And the whole BI article doesn't contain anything new. But the 7 year old quote alone seems to spark a lot more controversy now than back then.

Just check Google News

for the reactions from mainstream media.

And now in the age of social media the reaction doesn't only come from traditional media outlets, but also from consumers - some are even trying to give A&F a "Brand Readjustment", with a little help from Youtube:

They ask people to donate A&F clothes to homeless people and tweet about it under the hashtag 

#FitchTheHomeless

. If it works it turns A&F into 

The World's Number One Brand of Homeless Apparel !

Nice... ;-)

Markenführung & Kundenservice in Zeiten von Social Media

Seit Ende 2009 arbeite ich zusammen mit der zweitenHeimat. im Team der Telekom Deutschland, das sich mit der Frage beschäftigt, wie man den Servicedialog der Telekom bei Twitter, Facebook & Co. effizient organisieren kann. Inzwischen ist das Projekt allgemein bekannt unter dem Namen Telekom-hilft und seit dem Start dafür verantwortlich ist Andreas Bock

Andreas hat nun auf der Basis seiner Erfahrungen aus den letzten Jahren und dem Austausch mit Kollegen von Unternehmen wie Bahn, DHL oder Otto ein sehr lesenswertes Buch mit dem Titel

"Kundenservice im Social Web" (Amazon-Link) veröffentlicht. Darin findet sich auch ein kurzes Interview mit mir, in dem es um die Frage geht, welchen Einfluss der öffentliche Kundendialog in sozialen Medien auf die Marke eines Unternehmens hat...

»Servicedialog ist Marketing«

Q: Wieso tun sich viele Unternehmen beim Thema Servicedialog im Social Web so schwer?

A: Dies liegt zunächst daran, dass bei vielen Firmen die Social Media Aktivitäten aus den Bereichen Marketing oder PR gesteuert werden, die in der Vergangenheit kaum Berührungspunkte mit den Themen Kundendialog und Service hatten. Hier fehlen oft schlicht die Ressourcen und Prozesse, um einen echten Dialog mit dem Kunden führen zu können. 

Dann ist in den letzten Jahren der Kundenservice generell meist als reines Kostenproblem gesehen worden. Es ging primär darum den Servicedialog so kosteneffizient wie möglich abzuwickeln. Die entsprechenden Prozesse, z.B. in Call Centern, sind inzwischen extrem durchoptimiert. Wenn nun neue Kanäle wie Facebook oder Twitter an den gleichen Maßstäben gemessen werden, haben sie keine Chance - kurzfristig werden die etablierten Kanäle immer einen Kostenvorteil haben. In so einer Situation endet der Wunsch nach Dialog in sozialen Medien schnell in Argumentationsproblemen.

Q: Aber gerade in der heutigen Zeit sind Kosten ja ein wichtiges Argument. Das kann man schwer ignorieren, oder?

A: Soll man ja auch nicht. Natürlich muss etwas wirtschaftlich Sinn machen und das gilt natürlich gerade auch für Hype-Themen, wie aktuell der Einsatz sozialer Medien - wofür auch immer! Aber wirtschaftlich Sinn machen muss nicht zwangsläufig möglichst niedrige Kosten bedeuten. Wenn der Ertrag einer bestimmten Maßnahme im Vergleich mit anderen höher ausfällt, kann man auch mit höheren Kosten sehr gut leben.

Q: Und das ist hier der Fall?

A: Ja, der öffentliche Kundendialog hat gegenüber der privaten "Call-Center Kommunikation" eine ganze Reihe von Vorteilen, die die höheren Kosten wettmachen können - wenn man sie richtig nutzt! 

Der Kunde, dem ein Service-Mitarbeiter flexibel sein Problem löst, hat in dem Moment ein sehr positives Markenerlebnis. Im Call Center bekommt dies jedoch keiner mit. Auf Facebook hingegen sehen es u.U. sehr viele, beispielsweise das eigene soziale Netzwerk des Kunden, was schnell sehr authentische Mundpropaganda rund um das eigene Produkt auslösen kann. So wird der Servicedialog zum einem wichtigen Teil der Markenkommunikation.

Q: Aber was wenn das Erlebnis nicht positiv, sondern negativ ist?  Das wird doch dann ebenfalls öffentlich sichtbar!

A: Vollkommen richtig, das kann natürlich auch passieren. Aber wenn ein Unternehmen deutlich mehr negative als positive Serviceerlebnisse produziert, hat es vermutlich ganz andere Probleme, als das auf Facebook darüber geschrieben wird. Und vermutlich sind diese Probleme dann sowieso schon Thema in den sozialen Medien, unabhängig davon, ob das Unternehmen den Dialog aktiv aufnimmt oder nicht.

Die meisten Firmen machen aber ganz andere Erfahrungen: wer sich  in diesen Medien auf einen echten Kundendialog einlässt, ist häufig überrascht, wie positiv die Stimmung im Vergleich zu klassischen Servicekanälen ist. Im Call Center ruft halt kein Kunde an, um zu sagen, dass er mit einem Produkt zufrieden ist - auf Facebook ist das vollkommen normal. Einer meiner Beratungskunden rotiert inzwischen gezielt Mitarbeiter aus dem Telefonsupport in die Facebook Teams, weil man gemerkt hat, dass die positive Stimmung dort für die Arbeit allgemein sehr motivierend wirkt.

Q: Sehen Sie neben der Wirkung für die Marke auch noch andere  Vorteile von sozialen Medien?

A: In bestimmten Fällen kann der öffentliche Servicedialog auch kosteneffizienter sein: z.B. dann, wenn ein akutes Problem dazu führt, dass innerhalb kurzer Zeit sehr viele Anrufe zu immer der gleichen Frage im Call Center auflaufen. Solche Spitzen sind in der Regel mit hohen Kosten verbunden. Diese kann man vermeiden, wenn die eigenen Kunden verstanden haben, dass es Orte online gibt, wo sie die Antwort auf ihre Frage schneller erhalten, als per Anruf im Call Center. Diese Orte können die Dialogkanäle in den sozialen Medien sein, aber auch z.B. ein Service-Weblog auf der eigenen Website.

Es gibt auch noch einen weiteren Aspekt: durch das gezielte und kontinuierliche Mitlesen oder Monitoren sozialer Medien etabliert man eine Art permanente Marktforschung. Die Erkenntnisse daraus sind vielfältig einsetzbar: so erhält man ein Frühwarnsystem für Krisen oder kann die darüber gewonnen Insights in die Entwicklung oder Optimierung von Produkten einfliessen lassen.

Q: Wenn Sie einer Ihrer Beratungskunden bitten würde ihm einen einzigen Tipp zum Thema Kundenservice über soziale Medien zu geben, was würden Sie ihm raten?

A: Er soll sich gründlich auf den Umgang mit negativen Feedback in diesen Kanälen vorbereiten, aber darüber nicht vergessen, sich zu überlegen, wie man die positive Stimmung der vielen zufriedenen Kunden sichtbar machen könnte! Diese bisher schweigende Mehrheit für die eigene Marke zu aktivieren, darin liegt das größte Potenzial sozialer Medien! Leider verstellt bei immer noch zu vielen Firmen die Angst vor ein paar negativen Äußerungen den Blick auf die wirklichen Chancen!

Interview als PDF