Triple Play in der Praxis oder warum 3 mal 1 nicht 1 ist !?

Schon seit einer ganzen Weile sehnt sich die Telekom-Branche etwas herbei, was sie “Triple Play” nennt: Dem Kunden Telefonie, Kabel und Internet aus einer Hand bieten - und so den ultimativen ARPU-Nachbrenner schaffen. Hofft man zumindest. Doch irgendwie hab ich das Gefühl, so richtig kommen die “Player” damit nicht voran. Der große Durchbruch scheint nicht in Sicht. Und inzwischen kann ich mir denken, woran das liegt. Denn in ein paar Wochen ziehe ich um. Wie ich fand, eine schöne Gelegenheit, um sich neue Anschlüsse für Telefon, Internet und Fernsehen zu zu legen und gleichzeitig Triple Play im Selbstversuch zu testen.

Das tue ich nun seit einigen Tagen und die Erfahrungen sind alles andere als ermutigend. Das anfänglich freudig-neugierige Interesse musste inzwischen einem soliden Frustgefühl Platz machen. Hier die bisherigen Stationen meiner kleinen Expedition ins Triple Play-Nirwana:
  1. Zunächst gings zu Kabel Deutschland. Da hat man anscheinend die vielen lokalen Vertriebsstellen, die es letztes Jahr überall gab, inzwischen wieder eingesammelt und verlässt sich ganz auf die eigene Website. Die lässt zwar viele Fragen offen, bietet dafür aber eine sehr bequeme Rückruf-Funktion - wenn den wirklich jemand zurückrufen würde. Tut aber niemand. Schade! Naja, halb so wild, denn irgendwie hab ich eh Hemmungen, meinen Internet-Anschluss einem Kabel-TV Anbieter anzuvertrauen.
  2. Also weiter zu Alice, auf deren Website man seit neuestem gezwungen wird durch jede Menge redundanten Premiumcontent aus der AOL Konkursmasse zu waten, um an die relevaten Informationen zu kommen. Das nervt zwar. Aber Ex-Hansenet versorgt mich seit Jahren recht zuverlässig mit Telefon und Internet. Da ist man bereit einiges zu ertragen. Doch leider ist das Bild von Alice homeTV am Demostand im heimischen Saturn mächtig pixelig - der zuständige Vertriebsbeauftrage schaut etwas hilflos drein: “Bei Ihnen zu Hause wäre das Bild besser... glaube ich... ”. Ich glaub's auch. Aber ich weiss es halt nicht.
  3. Dann vielleicht lieber doch zum Marktführer Telekom, wo das absolute Rund-um-sorglos Paket in Sachen Triple Play auf einen wartet: T-Home! Die Website dazu ist jedoch seit dem letzten T-Rebranding gar nicht mehr so einfach zu finden. Denn auf der fürchterlich hässlichen Site www.t-home.de gibt es jetzt nicht mehr nur das IPTV-Angebot, sondern sämtlich T-Produkte für zu Hause. Das was uns interessiert muss man erst suchen: nach unten scrollen, dann in der vorletzten rechten Sidebar auf den untersten Banner klicken; Überschrift "Entertaiment auf TV, Telefonieren und Surfen" (Entertaiment auf TV? Hatte der Texter Urlaub?).

    T-Home bzw. Entertain (ohne T-!), wie es nun heisst, ist ein echtes T-Produkt: "Premium-Technik" zum Premium-Preis! Mit vielen tollen Zusatzfunktionen versucht man hier neophile Geeks wie mich zu ködern: z.B. mit dem TV-Archiv voller langweiliger RTL-Sendungen aus dem letzten Jahr, die mich damals schon nicht interessiert haben. Oder einem Haufen Kanäle, auf denen ich die TV-Serien meiner Kindheit sehen könnte, würde ich es denn wollen. Leider fehlt Entertain andererseits einiges, was mir wichtig wäre. Trotz der denglischen Produkt-Benamung gibt es z.B. keine guten englischsprachigen Sender wie BBC Prime. Absolute Fehlanzeige. Für den T-Mitarbeiter im T-Punkt zwar eindeutig kein KO-Kriterium (“Brauchen Sie die denn? Sie sprechen doch ganz gut Deutsch!?”), für mich aber schon.


Hinzu kommt, dass sich alle Angebote mit einem Wirrwarr aus Fachbegriffen und Tarifen umgeben, die es schaffen auch das größte Interesse im Keim zu ersticken. Wer wissen will, wie das in der Praxis ausschaut, dem empfehle ich die sehr anschaulichen Ausführungen zum Thema "Telco Dada-Sprech" vom geschätzten trnd-Kollegen Rob!! So will man vermutlich von all den Defiziten ablenken, die in den jeweiligen Produkten stecken. Aber ich fürchte, die potenziellen Kunden kriegen trotzdem sehr schnell mit, dass sie bei all den bunten Programm-Bouqets für jedes kleine Röschen einen dicken Sack Unkraut mitbezahlen sollen. Und wer will das schon.

So richtig überzeugen konnte mich deshalb bisher kein Angebot. Scheint eines mal ganz verlockend, findet man schnell einen dicken Haken, der es einem wieder vergällt. Grosse Preisfrage also: was soll jemand machen, dem die Bundesliga schnuppe ist und der einen zuverlässigen Internet-Anschluss, sowie den konventionellen Strauss hiesiger TV-Sender, garniert mit ein paar internationalen Blüten und der obligatorischen Festnetz-Flatrate buchen will ? Gibt es vielleicht doch noch einen Triple-Player den ich übersehen habe ??