Von egozentrischen Selbstreflektierern und Teenager-Tagebüchern

Schade, da habe ich am Dienstag wohl eine richtig nette Veranstaltung verpasst, nämlich den Media-Coffee von newsaktuell zum Thema Web 2.0. Vielleicht sollte ich newsaktuell mal von meiner Spam-Liste nehmen? Unter den ganzen Werbe- und Aktionsmails scheint ja hin und wieder auch mal eine interessante Einladung zu sein.

Zum Glück hatte man (ausnahmsweise?) auch Blogger zu der Sache locken können und so gibt es eine recht unterhaltsame Zusammenfassung bei wirres.net - Titel: "kalter medien-kaffee zu web2.0". Eine zentrale Rolle in Felix' blogtypisch subjektiver Schilderung der Ereignisse spielt Lars-Christian Cords von der Agentur fischerAppelt, dem er folgende Worte in den Mund legt...
lars-christian cords nahm den geringen anteil blogger im publikum als steilvorlage: „sie verpassen da aber auch nix.“ blogs seien immer noch „zu 99,9% egozentrischer, selbstreflektierter schrott auf dem niveau von teenager-tagebüchern.“ was man youtube, myspace und sonstwo finde sei alles so unterirdisch, „da möchte man sich gar nicht mit auseinandersetzen.“
Auweia! Und schon zieht ein Sturm auf im grossen Blogosphären-Wasserglas. Auch wenn Herr Cords in einem Kommentar bei Wolfgang seine Aussagen etwas relativiert, wird halt wieder die gleiche Denke deutlich, die sich schon bei der von ihm geleiteten Du-bist-Deutschland Kampagne nicht wirklich bewährt hat.

Und irgendwie ist es schon seltsam, dass der Vorwurf von "Selbstreflektiertheit" ausgerechnet vom Partner einer grossen PR-Agentur kommt. Machen "professionelle Kommunikatoren" nicht genau das Gleiche - häufig über sich selbst sprechen? An der Stelle regt sich die Blogosphäre über das Thema übrigens genauso gern auf, wie Herr Cords. Einziger Unterschied dabei: die selbstreflektierenden Blogger legen meistens keinen grossen Wert darauf, von Unternehmen gehört zu werden - umgekehrt aber eben schon. Was sicher ein wenig den Frust erklärt. Wenn Herr Cords dabei, dass, was Blogger so produzieren für langweilig und egozentrisch hält, ist das natürlich sein gutes Recht. Dies dürfte allerdings Bloggern bei so manchen Pressemitteilungen, die sein Haus für Kunden schreibt, ähnlich gehen. Unentschieden, würde ich sagen.

In seinem Kommentar sagt Herr Cords übrigens auch:
Es ist ja gerade meine These, dass sich die Blogosphäre nicht dazu eignet, aktive Unternehmenskommunikation zu betreiben in dem Sinne, dass man Blogger wie Journalisten behandelt. Und auch ein eigenes Unternehmensblog macht eben nur Sinn, wenn ich entsprechend attraktive, aktuelle und authentische Inhalte zu bieten haben und vor allem die Transparenz und Offenheit für Kritik mitbringe, die dieses Format der Kommunikation nun einmal erfordert.
Einerseits natürlich vollkommen richtig. Die Frage für mich ist aber anderseits, ob Unternehmen in Zukunft überhaupt noch (für ihre Kunden!) relevant kommunizieren können, wenn sie nicht generell "attraktive, aktuelle und authentische Inhalte zu bieten haben" und "Transparenz und Offenheit für Kritik mitbringen" ?

Was meinen Sie, Herr Cords ?