Buchtour - Teil 3: Wie können Autoren Weblogs für ihre Arbeit nutzen?

Damit wären wir auch schon beim dritten und letzten Teil angelangt: der Frage, wie Autoren Weblogs einsetzen können, um damit ihre Arbeit zu unterstützen. Interessant finde ich hierbei vor allem, dass manche Autoren dieses noch relativ neue Medium nicht nur zur Verkaufsförderung für fertige Werke nutzen, sondern bereits zur Unterstützung des Schreibens nutzen.

Ein Weblog ist für mich so was wie ein Universalwerkzeug – fast wie ein Schweizer Messer, an dem alles dran ist was man so braucht.
In der Recherchephase hilft das Weblog sozusagen als Notizkladde. Ich poste dort Dinge, die mir auffallen und die ich nicht vergessen möchte. Gleichzeitig werde ich schon den einen oder anderen Gedanken los, den ich zur Diskussion stellen kann. Und natürlich bekomme ich Anregungen von meinen Bloglesern. Ja, Bloggen hilft bei der Arbeit der Bucherstellung.

Allerdings habe ich noch nie ein Buch derart konsequent im Blog zur Welt gebracht wie die Blogger in diesen beiden nachfolgenden Beispielen.

Chris Anderson hat gerade begonnen ein Buch zu schreiben und das mittels Weblog. Das Weblog heißt The Long Tail – A public Diary on the way to a book. Seine Thesen sind übrigens für die Buch- und gesamte Medienbranche hochinteressant. Er vertritt die Ansicht, dass der Massenmarkt der Zukunft aus lauter Nischen bestehen wird. Über das Internet können Angebot und Nachfrage viel leichter zusammenfinden, einen Marktmechanismus der selektiert und nur Bestseller in die Läden bringt wird es dann nicht mehr geben müssen. Auch das was früher verramscht wurde, findet auf lange Sicht stetig neue Käufer und wirft Profit ab. Amazon macht angeblich bereits mehr Umsatz mit den Millionen Büchern, die nur wenige Male pro Jahr gekauft werden, als mit den Top 1.000 Titeln. In dem Weblog postet er Definitionen, arbeitet sich kapitelweise vor und hebt Fundstücke für sein späteres Manuskript auf, präzisiert und diskutiert seine Gedanken. Das ist eine spannende Mischung aus Bucherstellung und aktiver Vorabpromotion.

In einem - allerdings belletristischen Beispiel - sieht man wiederum, wie ein Weblog auch sehr kalkuliert eingesetzt werden kann, um einen Hype zu schaffen – fast ist das ein bisschen wo etwas wie die literarische Variante des Viralmarketings, das rund um den Film "The Blair Witch Project" gemacht wird. Eines Tages taucht in der Blogosphäre Belle de Jour, das Weblog eines Londoner Callgirls auf. Ein Einblick in die Geheimnisse und Erlebnisse ihrer Arbeit. Voyeurismus gehört zum Internet wie das Salz auf die Laugenbrezel. Das Blog zog Hunderttausende an. Und weil es unter Pseudonym geschrieben wurde, wollten Journalisten es gerne lüften. Literaturagenten machten sich auf der Suche nach der Schreiberin. Ist sie ein echtes Callgirl, eine professionelle Autorin, ein Mann?? Der Glückliche, der ihre Identität liftete und den Deal machte, hat ihr offenbar einige Hunderttausend für Buch- und Filmrechte geboten. Zu Recht, denn er hatte ja eine riesige Leserschaft gekauft. Inzwischen ist das Weblog geschlossen und das Buch erscheint in Kürze – offenbar mit 2/3 neuer Tagebucheinträge wie es heißt.

Auch wenn die Beispiele unterschiedlich sind, sie zeigen, dass Autoren die Arbeit an einem Buch in die Öffentlichkeit verlagern können und damit eine Chance nutzen, Leser frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen, einfach indem sie ihre Gedanken sortieren und ihre Manuskript erstellen. Manche wecken damit sogar Agenten.

Damit schliessen wir die heutige Station der Buchtournee. Ich hoffe, es hat allen Lesern so viel Spass gemacht wie mir und wünsche Herrn Röthlingshöfer noch viel Erfolg für die anderen Stationen !!

Morgen geht es übrigens weiter bei Nicole Simon...