Buchtour - Teil 1: Wie können Autoren eigene Werke erfolgreich vermarkten ?

Hallo Herr Röthlingshöfer, herzlich willkommen im Site-9 Weblog !

Fangen wir vielleicht einfach mal direkt mit Fragen zu Ihrem Buch an: Welches Ziel haben Sie damit verfolgt ? Was wollten Sie Ihren Lesern vermitteln ?


Die Idee entstand bei einem Treffen mit Autoren und Autorinnen anläßlich der letzten Buchmesse in Leipzig. Da war ich der einzige Werber unter lauter Sachbuch- und Belletristikautoren und spürte, wie groß das Interesse an Werbefragen war. Mein Ziel war, einen maßgeschneiderten Werberatgeber für diese Zielgruppe zu schreiben. Fast alle unternahmen Werbemaßnahmen für sich, aber lernten nur durch Versuch und Irrtum, was funktioniert und was nicht. In meinem Buch versuche ich umfassend darzustellen, was Autoren tun können, ich gebe viele Beispiele wieder, was andere getan haben. Ich habe mich bemüht, dabei auch zu zeigen "wie es geht" und nicht nur "was man tun kann". Wie ich von Lesern hörte, leistet das Buch aber offensichtlich auch etwas, was mich besonders freut: es stiftet zu eigenen Ideen an.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die 5 wichtigsten Instrumente, die ein Autor zur Vermarktung eigener Publikationen nutzen kann ?

Erstens. Das Internet. Es ermöglicht einen unmittelbaren, direkten Zugang zu den Lesern. Es ist das Medium, in dem die Kommunikation als auch die Transaktion also der Kauf stattfinden kann. Durch einen Link zum eigenen Shop oder zum Online Buchhändler ist der Prozess vom ersten Kennenlernen – z.B. über eine Google Anfrage zur Website des Autors - bis zum Kauf sehr durchgängig gestaltet. Ideal. Und das Netz verliert nichts. Was ich für das Internet schreibe ist die nächsten Jahre auffindbar, wenn es nicht gelöscht wird.

Zweitens. Titel, Untertitel, Verschlagwortung, Key Words – das würde ich an zweite Stelle setzen. Ein Titel muss sowohl vom Buchhändler als auch vom Surfer auffindbar sein. Deshalb muss ein Buchtitel im Sachbuchbereich auch die wichtigsten Suchbegriffe bereits enthalten. Bei meinem Buch sind es die Worte "Werbestrategien", "Autoren", "Selbstverleger", die der Zielgruppe möglicher Kaufinteressenten die Auffindbarkeit gewährleisten sollen.

Drittens. Lesungen. Oder im Sachbuchbereich andere Arten der direkten Interaktion mit den Lesern, wie Vorträge, Workshops etc. Dabei bewirbt die Aktion Lesung den Abverkauf des Buches. Und ein besserer Abverkauf des Buches weckt das Interesse zu mehr Lesungen. Es gibt übrigens sehr viele Autoren, die mit Lesungen erheblich mehr als mit Büchern verdienen.

Viertens. Presse- oder Medienarbeit. Viele fragen sich vielleicht. Warum erst an vierter Stelle? Weil die Presse zwar Aufmerksamkeit erzeugt, aber das nur kurzfristig. Die Tageszeitung ist im Nu Altpapier. Das Internet ist ein nachhaltigeres Medium. Die Website verschwindet nicht, sie lockt jeden Tag neue Interessenten an. Allerdings: in der Autoren-Bundesliga funktioniert es ohne Medienarbeit nicht.

Fünftens. Der Buchhandel. Ich nenne ihn deshalb zuletzt, weil der Autor normalerweise den Zugang zum Buchhandel nicht hat. Dafür gibt es die Verlage, die Vertreter, den Großhandel etc. Aber ich denke in Zukunft sollte man mehr Ideen entwickeln, die den Buchhandel mit einbeziehen. Da muss es mehr geben außer der drögen Lesung nach dem Motto „ein Mann, ein Stuhl, ein Wasserglas“. Die Zukunft zeigt uns sicher aktivere Autoren/Verlage, die für diese Vertriebsschiene auch Ideen parat haben.

Gibt es dabei aus Ihrer Sicht eigentlich grundsätzliche Unterschiede zwischen Belletristik und Fachliteratur ?

Die Instrumentarien sind gleich, werden aber im Detail anders gehandhabt. Aber lassen wir Detailfragen mal beiseite, wenn Sie einverstanden sind. Der wesentliche Unterschied liegt für mich darin, dass der Autor eines Fachbuches seine potentielle Leserschaft sehr genau kennt. Umso einfacher ist es dann für das Fachbuch zu werben: man weiss schon in welchen Foren, bei welchen Weblogs, Fachzeitschriften, Veranstaltungen et. man ansetzen muss, um die potentiellen Leser zu erreichen.

Haben Sie vielleicht ein paar konkrete Zahlen für uns ? Wenn ich z.B. als Autor zwischen den beiden Optionen Fremdverlag und Eigenverlag wählen muss, wie wirkt sich diese Entscheidung wirtschaftlich auf mein Buchprojekt aus ?

Mein Ratgeber behandelt solche wirtschaftlichen Fragen nicht, ich habe mich auch nicht eingehend damit beschäftigt. Für diese Fragen verweise ich daher gern auf das Buch eines Kollegen – Andreas Mäckler hat diese Themen in seinem Titel „Selbstverlag“ dargestellt. Er zeigt Beispielrechnungen von 5 - 10 % Autorenhonorar auf – die meisten Autoren dürften sich wohl innerhalb dieser Höhe der Einnahmenbeteiligung bewegen. Von einem Buch,das im Laden 20 Euro kostet, gehen also 1 oder 2 Euro an den Autor. Wenn das Buch nur eine Startauflage von 1.000 Exemplaren hat, die vollständig verkauft wird, dann sind also maximal 1.000 bis 2.000 Euro Verdienst drin.

Bei BoD, das man für den Eigenverlag wählen kann, um nicht gleich für 1.000 gedruckte Exemplare in Vorleistung zu gehen, gibt es einen Kalkulator, mit dem man seine Marge selbst errechnen kann.

Ein vergleichbares Buch mit BoD zu produzieren, das über den Buchhandel vertrieben wird, bringt dann schon 5.000 Euro in die Kasse.

Bessere Verdienstmöglichkeiten hat der Autor als Selbstverleger, wenn er nicht über den Buchhandel ausliefert, denn dann kann er weitere 50% des Verkaufspreises einstreichen, der sonst an den Vertriebspartner gegangen wäre. Eine Marge von 15,00 bei einem Verkaufspreis von 20,00 kann sich doch sehen lassen.

Aber in der Rechnung fehlen die ganzen Arbeitsstunden, die der Selbstverlag kostet und wer das nicht effektiv im Griff hat, lässt lieber die Finger davon.

Viele Fachbuchautoren verstehen das eigene Buch ausschließlich als Selbstmarketinginstrument. Und wenn man es so versteht, sind die mit dem Buch unmittelbar erzielten Einnahmen wahrscheinlich nicht das Thema. Man hofft auf Sekundärgeschäft. Dann wäre es besser einen renommierten Verlag zu suchen und von einem möglichen Imagetransfer zu profitieren.

Wir machen jetzt eine Mittagspause und versuchen ein Problem mit den Templates zu lösen, welches dafür sorgt, dass User des Internet Explorers nicht die komplette Seite sehen können.

In der Zwischenzeit gebe ich kurz ab zur Werbung - aus gegebenem Anlass sozusagen... ;-)

Get Firefox!

Es gäbe sicher noch viele Punkte, auf die wir jetzt eingehen könnten. Aber wir haben ja noch 2 Fragen vor uns, deshalb würde ich gern dieses Segment jetzt schliessen und zwar mit der Frage, was aus ihrer Sicht der beste Tipp wäre, dem man einem Autor geben könnte ?

Der beste Tipp ist, das Gespräch mit dem Leser zu suchen. Das ist zwar kein Tipp, der konkret sagt, was zu tun ist, aber der die Richtung vorgibt. Seit dem Cluetrain-Manifest setzt sich doch allmählich die Erkenntnis durch, dass "Märkte Gespräche sind". Für Bücher ist das offensichtlich. Sie lösen Gespräche, Diskussionen, Fragen aus, provozieren Meinungen. Autoren sollten dies nutzen und Dialoge führen, auch über das fertige Buch hinaus.

Das sehe ich ganz genauso. Nicht zufällig lautet ja der Untertitel des Site-9 Weblogs "about Markets & Conversations". Leider haben viele Unternehmen dies aber noch nicht verstanden. Da wäre es natürlich schön, wenn Ihr Buch hilft, diese Idee an Autoren zu vermitteln, damit sie als Multiplikatoren dann ebenfalls dies weitertragen können...

Weiter geht es mit dem zweiten Teil...